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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Dissens und Diglossie: Der implizite (Nicht)Leser und das (bela)russische Subjekt in Dmitrij Strocevs „Flickenode“

Dissens und Diglossie: Der implizite (Nicht)Leser und das (bela)russische Subjekt in Dmitrij Strocevs „Flickenode“1

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Yaraslava Ananka, Heinrich Kirschbaum (Freiburg)

In Belarus leben Dichter und Prosaiker, die nicht nur belarussisch, sondern auch russisch schreiben. Viele von ihnen gehen im Laufe ihres literarischen Lebens, allmählich oder entschieden, zum Belarussischen über; jedoch schreiben einige, trotz der damit verbundenen Identitätskomplikationen und -dilemmata, weiterhin auf Russisch. Unter ihnen ist der Minsker Dichter Dmitrij Strocev (geb. 1963), der sich einen festen Platz sicherte, nicht nur in der russischsprachigen Community in Belarus, sondern vor allem im russischsprachigen Milieu der Moskauer Dichterszenen: 2008 erhielt er den „Russischen Preis“, einen hochdotierten Preis für die russische Literatur außerhalb Russlands. Außerdem kam er auf die Shortlist des renommierten Andrej-Belyj-Preises (2009), des Preises „Moskauer Rechnung“ (2010) sowie des Maximilian-Vološin-Preises (2010).

Der Erfolg der russischsprachigen Lyrik Strocevs ist Tatsache; komplexer sieht es mit dem Status des Minsker Dichters in der belarussischen literarischen Landschaft aus. Viele belarussische Schriftsteller und Leser betrachten es mit Argwohn, wenn belarussische Autoren auf Russisch schreiben. Offen bleibt die Frage, inwiefern die nationale Bewegung der ersten Hälfte der 1990er Jahre, die von den Appellen zur beschleunigten Belarussifizierung der sprachlichen und kulturellen Identität des Landes begleitet wurde, die Umorientierung vieler russischsprachiger Schriftsteller in Belarus auf das russische Auditorium forcierte, oder es in vielerlei Hinsicht eine Folge und Reaktion auf die (Selbst-)Russifizierung des Landes und die Ignoranz belarussischsprachiger Literatur seitens russischsprachiger Literaten war. Für Skepsis sorgt(e) allein der Modus einer literarischen Arbeit, die auf zwei Zielauditorien gerichtet war, was mit den...

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