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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Ein Beitrag zur Poetik des Transitorischen. Metaphysische Perzeption und lyrische Faktur bei Elena Švarc und Gennadij Ajgi

Ein Beitrag zur „Poetik des Transitorischen“.1 Metaphysische Perzeption und lyrische Faktur bei Elena Švarc und Gennadij Ajgi

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Angelika Schmitt (Trier)

Der Topos der Grenzerfahrungen und Schwellenerlebnisse ist seit dem Ende des 20. Jahrhundert verstärkt ins Blickfeld der Literaturwissenschaft getreten.2 Der Obertitel des vorliegenden Beitrags ist dem Buch „Grenzen, Schwellen, Übergänge. Zur Poetik des Transitorischen“ des Germanisten Rüdiger Görner entlehnt, der die Aktualität der Problematik liminaler Zustände mit der Moderne verknüpft sieht: Das „von Auflösungserscheinungen bedrohte Ich der Moderne“ sei im „Dazwischen […] am ehesten an[zu]treffen“; dort „findet es, was es am meisten braucht: Spielraum.“3 In der besonderen historischen Situation, in der sich Russland während des 20. Jahrhunderts befand, konnte dieser „Spielraum“, in dem sich das kreativ tätige Ich entfalten, frei von gesellschaftlichen und politischen Zwängen agieren und eine ihm von offizieller Seite verwehrte Spiritualität leben konnte, in der inoffiziellen Kulturszene gefunden werden, die sich nach Stalins Tod im Jahr 1953 im Untergrund entfaltete.

Die russische Literatur hat aufgrund der besonderen Verhältnisse in der Sowjetunion während des vergangenen Jahrhunderts eine andere Entwicklung genommen als die Literatur im westlichen Europa und in Nordamerika. Die Etablierung der Sowjetmacht, die die Kultur unter das Diktat des Sozialistischen Realismus stellte, hatte die fortschrittlichen modernistischen Entwicklungen zu Beginn des Jahrhunderts rasch zum Erliegen gebracht. Experimentelle Kunstformen wurden in den Untergrund abgedrängt, wo sie seit dem Ende der 1950er Jahre einen großen Formenreichtum entfalteten.4 Eine wichtige Rolle spielte dabei die von staatlicher Seite unterdrückte Spiritualität.5 Anders als im Westen, wo...

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