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Sartre, Camus und die Kunst

Die Herausforderung der Freiheit

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Heiner Wittmann

Sartre, Camus und die Kunst untersucht die Überlegungen und Analysen der beiden Autoren zur Ästhetik. Der Streit zwischen ihnen nach der Veröffentlichung von Camusʼ Der Mensch in der Revolte und Sartres Kritik an diesem Buch führte 1952 zum Bruch ihrer Freundschaft. Wenn man aber die Funktion und die Bedeutung von Freiheit und Kunst in ihren Werken analysiert, werden fundamentale Übereinstimmungen erkennbar, die in dieser Studie dargestellt werden.

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8. Der Künstler ist ein Verdächtiger

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„Der Künstler ist ein Verdächtiger […].“423 Mit dem ersten Satz seiner Studie über André Masson resümiert Sartre die Stellung des Künstlers und meint damit auch die des Intellektuellen. Alles, was er und der Künstler vorbringen, kann gegen sie verwendet werden. Der Intellektuelle und der Künstler sind beide aufgrund ihres Engagements auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit angewiesen.

Ohne grundsätzliche Positionen aufzugeben, hat Sartre in seinem Werk besonders nach 1970 durch sein politisches Engagement die Entwicklung des klassischen Intellektuellen zu einem Intellektuellen neuen Typs zeigen wollen. In den drei Vorträgen, die er 1965 in Kyoto und Tokio gehalten und unter dem Titel Plädoyer für die Intellektuellen424 veröffentlicht hat, entwickelt er seine Theorie des Intellektuellen, der sich dadurch auszeichnet, dass er seinen engen Fachbereich überschreiten könne. Seine Kritiker in Japan und Europa richten den gleichen Vorwurf an ihn: „[…] der Intellektuelle ist jemand, der sich um Dinge kümmert, die ihn nichts angehen […]“.425 Wissenschaftler, die eine Atombombe bauen, sind für Sartre keine Intellektuellen. Sie werden es erst, wenn sie z. B. gemeinsam ein Manifest unterschreiben, um ihre Mitmenschen vor dem Gebrauch der Bombe zu warnen. Mit der Beurteilung ihrer Zerstörungskraft überschreiten sie die ihnen gesetzten Grenzen ihrer Fachkompetenz. Dabei berufen sie sich auf Wertmaßstäbe, die ihnen von ihrem Arbeitgeber nicht zugestanden werden. Das Wertesystem, auf das sie sich berufen, hat das menschliche Leben als oberste Norm.

In einer Vorbemerkung426 zum...

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