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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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„es kam von Hand zu Hand.“ – Zwei Causerien zu Paminas Porträt und Sarastros Liebe

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1.

Der Jüngling Tamino, einer der vielen durch die Literatur geisternden Jünglinge, die meinen, ein Mann zu sein, nur weil sie eine Waffe tragen, ohne mit ihr umgehen zu können, tritt zwar mit einem Bogen bewaffnet auf, hat aber die zugehörigen Pfeile verloren. Er flieht vor einer Schlange, die ihm auf der Flucht immer näher kommt … und fällt in Ohnmacht. Was für ein Held!!! Herakles hat schon als Säugling in der Wiege gleich zwei Schlangen mit bloßen Händen erwürgt, die seine Feindin Hera an das Kinderbett geschickt hatte, in dem „Herakles“ – der durch Hera Ruhmvolle – zusammen mit seinem ängstlichen Bruder Iphikles lag.

Tamino – ein feiger Jäger also, der vor der ersten Gelegenheit, sich als Held zu erweisen, versagt und in Ohnmacht fällt – die weiblichste aller weiblichen Reaktionen, um dem Handeln in einer schwierigen Situation zu entgehen. In Ohnmacht zu fallen, ist noch dazu in dem Stand, dem Tamino angehört, ein Privileg einzig der Damen.

Und gleich wieder erweist er sich als feige, wenn er sich beim Herannahen Papagenos, „einer männlichen Figur“, wie es ausdrücklich heißt, „hinter einem Baum [versteckt]“.

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Dialog von Tamino und Papageno nach dem Auftrittslied des letzteren:

TAMINO. Sag mir, du lustiger Freund, wer du seist?

PAPAGENO. Wer ich bin? (Für sich.) Dumme Frage! (Laut.) Ein Mensch, wie du. – Wenn ich...

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