Show Less
Restricted access

Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

Show Summary Details
Restricted access

4. Kapitel Die Entdeckung der charmanten Emanzen in den Komödien des jungen Pierre Corneille

Extract

Die wenig bekannten fünf Jugendkomödien von Pierre Corneille (1606–1689), die er zwischen 1629 und 1633 schrieb, handeln vorwiegend von der Suche junger Leute nach der ‚richtigen‘ Partnerin bzw. dem ‚richtigen‘ Partner für die Ehe. Sie wurden alle in Paris von derselben Theatertruppe in der angegebenen Spielzeit uraufgeführt:

– Mélite ou les fausses lettres. Pièce comique (1629/1630) (Corneille 1980, 1–89; Kommentar 1143–1196).

– La veuve ou le traître trahi. Comédie (1631/1632) (Corneille 1980, 199–298; Kommentar 1246–1281).

– La Galerie du Palais ou l’amie rivale. Comédie (1632/1633) (Corneille 1980, 299–381; Kommentar 1282–1311).

– La suivante. Comédie (1633/1634) (Corneille 1980, 383–459; Kommentar 1312–1343).

– La Place Royale ou l’amoureux extravagant. Comédie (1633/1634) (Corneille 467–531; Kommentar 1350–1376).

Das Eherecht der damaligen Zeit bestimmte, dass die Eltern die Wahl des Ehepartners vornehmen, was in den Stücken zwar regelmäßig als Bedingung oder potentielles Hindernis erwähnt wird, aber in jedem Fall ist die individuelle Liebeswahl, die die jungen Leute treffen, der alles entscheidende Faktor bei Corneille. Die legalen Autoritäten sind praktisch bedeutungslos bzw. werden von diesen selbst als reine Formalie ausgeübt. Im Grunde wählen also die Liebenden ihre Partner ebenso autonom wie in den heutigen „romantischen“ Beziehungen, wie es von den soziologischen Klassikern, wenn auch auf völlig unterschiedlicher theoretischer Basis, dargestellt wird (Luhmann 1982: 163; Coltrane/Collins 2001: 244).37

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.