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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Erstes Kapitel: Hermeneutische Prämisse

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Das Thema Monotheismus/Polytheismus, als globales, gesamthaftes, die Grundbereiche der menschlichen Existenz berührendes Phänomen, wurde von den verschiedensten Disziplinen her betrachtet.

Ich werde das Thema als Kulturerscheinung unter den kulturwissenschaftlichen Aspekt und im zweiten Ansatz vom Standpunkt der ‚tiefenpsychologischen Hermeneutik‘ aus betrachten. Im Vordergrund steht die Spannung zwischen einer ‚einheitlichen Vision‘ (mittelalterlich), in welcher die geistige Tätigkeit des Menschen als ancilla theologiae verstanden wurde, und der Entwicklung der Naturwissenschaften, die die Autonomie der geistigen Tätigkeit und der entsprechenden Disziplinen vom metaphysischen Standpunkt aus gefordert haben.

Es ist aber hervorzuheben, dass obwohl der einheitliche und ganzheitliche Aspekt durch die Entwicklung der Naturwissenschaften aus dem Gesichtsfeld verschwunden zu sein scheint, die verschiedenen Disziplinen Teilbereiche einer Gesamtheit sind und bleiben. In diesem Zusammenhang entsteht dann das Thema der Beziehung zwischen den Teilen und der Gesamtheit. B. Gladigow (2005, S. 299ff; s. Kap. II dieser Arbeit) unterstreicht (er bezieht sich auf Recht, Kunst, Religion und Wirtschaft, aber man kann dasselbe auf andere Aspekte der Kultur ausweiten), dass die Teilbereiche, indem zunächst die Differenzen zu den anderen Teilbereichen vergrößert werden, die Tendenz zeigen, je eigene Deutungs- und Sinnsysteme zu erarbeiten, sodass sie nicht mehr notwendigerweise miteinander verrechenbar sind.

Aufgrund der Notwendigkeit jedes Teilbereiches, die eigene Spezifizität zu behaupten und aufgrund des die einheitliche Weltanschauung verlangenden Erkenntnistriebes, zeigt sich die Tendenz, die Instanz zur ganzheitlichen Vision des kulturellen Bewusstseins nach den Vorstellungen der Teilbereiche zu modellieren.

Als Teilbereiche oder fachspezifische Anschauungen sind...

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