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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Fünftes Kapitel: Biblischer Monotheismus

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Das verbindliche Dokument für das religiöse Verhalten der Juden und Christen ist die Bibel, so wie sie nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil geschaffen wurde. Sie stellt kein homogenes Dokument dar: Mündliche und schriftliche Traditionen, verschiedene Gattungen und Auslagerung von verschiedenen Phasen der Geschichte und unterschiedlichen Zeiten in Begegnung mit der Völkerlandschaft sind in ihr zusammengeflossen.

Was uns heute vorliegt ist das Endprodukt eines langen Prozesses, in dem alle erwähnten Elemente redaktionell zusammen bearbeitet wurden. Die Redaktionsarbeit verleiht ihm jedoch durch theologische Reflexion eine einheitliche Beschaffenheit.

Bezüglich ‚Monotheismus‘ ist festzuhalten, dass der Text, in dem es als das Wort Gottes ankommt, der ist, welcher jetzt vorliegt. Und dieser Text, wie N. Lohfink betont, ‚ist monotheistisch: mehr als monotheistisch‘ (N. Lohfink, 1983 S. 45). So deutlich und klar diese Feststellung sein mag, muss sie doch einer exakten Forschung und Analyse unterliegen, um ihre gerechte Bedeutung ausformulieren zu können: Nicht zuletzt, weil sie aus einer sehr komplexen Größe, wie die Bibel eine ist, herausgearbeitet werden muss. Mit der Bibel hat man eine festgelegte Schrift, die über Zeiten berichtet, in denen es noch keine Schriftreligion gab. Vor dem 7. Jh. v.Chr. kann man im antiken Israel nicht von einer Schriftreligion sprechen, sondern allenfalls von Ansätzen dazu (K. Schmid, 2008 S. 217). Die Zeit, die zwischen dem Erzählten und der Zeit, in der es Niederschlag in der Schrift gefunden hat, ist der Ort der ‚Übersetzungs-Arbeit‘, wodurch die fr...

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