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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Siebtes Kapitel: Monotheismus als Mythos

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Die Frage nach der Entstehung des Monotheismus (die mit der Frage nach der Entstehung Israels zusammenfällt) wurde in den letzten Jahren intensiv und kontrovers und in unterschiedlicher Annäherung diskutiert. Die neue Entwicklung der Forschung löst deutlich den früheren ‚globalen‘ Ansatz für eine Erklärung ab (vgl. Stolz, 1996 S. 94).

Es steht fest, dass generelle Modelle, viel mehr Fragen offen lassen als Antworten, und dass jede Globalerklärung in Bezug auf die geschichtliche Komplexität der sozial-politischen Komposition des Landes in der Zeit der Geburt und Entwicklung Israels und seiner Religion unhaltbar ist.

Und doch geht es bei dieser globalen Annäherung besonders um die Frage nach dem ‚spezifisch Israelitischen‘. F. Stolz führt das Thema zur antithetischen Fragestellung, ob „das ‚spezifisch Israelitische‘ bereits zur Zeit der Landnahme wirksam (war) oder sich mit der Zeit herausgebildet hat“; und ob „die historisch eindeutige Manifestation des ‚typisch Israelitischen‘ (insbesondere natürlich des ‚Monotheismus‘) in exilischer und nach-exilischer Zeit eine Restitution oder eine Neuerung“ darstellt (ebd.).

Diese antithetische Fragestellung gibt von ihrer Natur her einen Hinweis auf einen anderen entscheidenden Moment, nämlich den mythischen. Nicht nur in dem Sinn, dass jeder Ursprung in mythischen Zeiten liegt, sondern auch weil das ‚Mythische‘ in der Geschichte wirkt, und die Geschichte führt. Es gilt also, dass nicht nur das Antithetische nicht aufzulösen ist, sondern, dass gerade aus der Spannung zwischen den zwei Alternativen das undefinierbare Eigentliche die Möglichkeit bekommt, zum Ausdruck...

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