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Begehren, Angst – und nüchterne Vernunft: Epikureische Psychologie und Ethik nach griechisch-römischen Texten

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Christoff Neumeister

Ausgewählte Passagen aus Texten griechischer und römischer Autoren führen die Grundgedanken der epikureischen Psychologie und Ethik vor. Deren zentrale Themen waren zum einen die verschiedenen Formen menschlichen Begehrens einschließlich des Sexuellen, zum anderen rationale und irrationale Ängste sowie der vernünftige Umgang mit ihnen. In diesem Zusammenhang entstand auch eine eigene Theorie der Wahrnehmung und Begriffsbildung, des Erkennens und des Handelns. Außerdem entstand eine detaillierte Rekonstruktion der Entwicklung, die die Menschheit in sozialer und technischer Hinsicht durchlaufen haben könnte. Dabei wurde der Herausbildung der menschlichen Sprachfähigkeit eine besonders wichtige Rolle zugewiesen. Das Buch möchte den Systemcharakter dieser Philosophie deutlich machen, soll aber auch der nichtfachlichen Leserschaft durch Neuübersetzungen einen Eindruck von der hohen literarischen Qualität der zum großen Teil dichterischen Quellentexte vermitteln.
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11. Die technische Entwicklung

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Auf Lukrezens Darstellung der sozialen Entwicklung der Menschheit folgt ein Abschnitt über die Entstehung der Religion, der in diese Entwicklungslinie aber nur ungefähr eingeordnet werden kann, denn von dem in ihm Dargetellten heißt es nur ganz allgemein: All das galt schon damals (1169: iam tum|), und es wirkt bis heute fort (||unde etiam nunc…). Darauf folgt dann aber noch ein dritter Teil, der sich ebenfalls mit vorhistorischen Entwicklungen beschäftigt, und die Frage ist nun, wodurch er sich inhaltlich von dem ersten unterscheidet.

In jenem stand wie gesagt die soziale Entwicklung der Menschheit im Vordergrund, die vom Einzelgängertum des Urmenschen über Familie, Nachbarschaft und städtischer Lebensgemeinschaft hinführte zu der von Habgier, Machtgier und Ehrgeiz beherrschten Konkurrenzgesellschaft, welche, da sie ins Chaos der Pöbelherrschaft abglitt, am Ende die Notlösung „Rechtsstaat“ aus sich hervorbrachte. Doch waren in diesem ersten Teil neben der sozialen Entwicklung natürlich auch schon einige elementare technische Neuerungen und Entwicklungen zu besprechen gewesem, durch welche sich die frühen Menschen zunächst einmal die Befriedigung ihrer natürlichen Bedürfnisse erleichterten, die dann aber auch die soziale Entwicklung halfen in Gang zu bringen oder ihren Fortgang zu ermöglichen. Das alles war der Inhalt des ersten Teils, der also zwar nicht ausschließlich, aber doch vor allem der sozialen Entwicklung gewidmet war. In dem durch den Abschnitt über die Religion davon abgesetzten, nun zu besprechenden dritten Teil der Lukrezischen Darstellung ist von sozialen Neuerungen keine Rede mehr, sondern er...

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