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Späte Schriften zur Literatur. Teil 1: Zur Literatur der Moderne und zur Literaturgeschichte

Herausgegeben von Hans-Edwin Friedrich

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Helmut Heißenbüttel

Edited By Hans-Edwin Friedrich

Mit der dreibändigen Jubiläumsedition zum 100. Geburtstag liegen erstmals Helmut Heißenbüttels späte Schriften zur Literatur in gesammelter Form vor. Sie enthält bislang nur verstreut veröffentlichte Texte und zeichnet wesentliche Entwicklungslinien des essayistischen Werks nach.

Im ersten Teil sind Aufsätze zur Literaturgeschichte und zur Moderne zusammengestellt. Er dokumentiert eine fortlaufende Beschäftigung mit einem historischen Bruch, der den Ausgangspunkt für Heißenbüttels eigenes Werk darstellt. Zugleich zeigt er wesentliche Verschiebungen in der Bewertung des Fortschrittsgedankens sowie bislang weniger bekannte Schwerpunktsetzungen in der Beschäftigung mit Kurt Schwitters sowie Autoren der konservativen Moderne auf. Er versammelt Schriften u.a. zu Carl Einstein, Arnold Schönberg, Rudolf Borchardt und Max Kommerell. Erstmals sind auch alle Beiträge zu Ernst Jünger aufgenommen.

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Carl Einstein

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s Fabrikation der Fiktionen scheint mir in der angerissenen Perspektive eines der bedeutendsten Zeugnisse zu sein. Einstein war in Paris. Die für ihn unerträglich gewordene Atmosphäre in Deutschland und in Berlin hatte ihn an einen für ihn relativ neutralen Ort getrieben. Neutral ←111 | 112→aber auch nur insofern, als in Paris sowohl Traditionelles wie auch Progressives entschiedener und unvermischter erkennbar war; er also, wie später Walter Benjamin, sowohl im Zusammenhang der historischen Überlieferung sich selbstverständlich bewegen wie auch leichter aus diesem Zusammenhang heraustreten konnte. Einstein hatte mit dem Band der Propyläen-Kunstgeschichte, der sich mit der Kunst des 20. Jahrhunderts befaßte, den in dieser Situation best-möglichen Überblick gegeben; einen Überblick, der noch heute nicht überholt scheint. Er wußte und hatte Vorstellungen davon, was Kunst im 20. Jahrhundert bedeuten konnte. Als Autor von Erzählungen, Gedichten und einem Romanprojekt, das bis heute unveröffentlicht ist, konnte er auch hier aus eigener Erfahrung abschätzen, um was es ging.

Und in dieser Situation schrieb er ein Buch, eine Attacke, ein Pamphlet, das radikal mit aller Überlieferung Schluß machte. Man könnte, in der Art des Aufräumens und der Absage, versucht sein, Einsteins Fabrikation der Fiktionen mit den Spätschriften Friedrich Nietzsches zu vergleichen. Ein solcher Vergleich zeigt jedoch nur, daß auch der radikalste Angriff Nietzsches sich noch innerhalb der Fragestellungen des deutschen Idealismus bewegt, während das Kennzeichen der Einsteinschen Attacke gerade darin liegt, daß es absolut aus diesen Fragestellungen...

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