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Kleine Schriften Antike – Spätantike – Neuzeit – Fachdidaktik

Analysen griechischer und römischer Texte, Aspekte ihrer Rezeption und Transformation, Übersetzungen lateinischer Texte und Gedanken zur didaktischen Umsetzung

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Dietmar Schmitz

Die vorliegende Sammlung Kleiner Schriften (die auch zahlreiche bisher unveröffentlichte Beiträge enthält) vermittelt für den Sprach- und Ethikunterricht – und darüber hinaus für alle an europäischer Kultur Interessierten – vielseitige Anregungen. Die Einteilung der Veröffentlichungen erfolgt dabei in die Klassische Antike, Spätantike und Mittelalter, Neulateinische Literatur sowie Fachdidaktik.

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II.3. Schimpfwörter in den Invektiven des Gregor von Nazianz gegen Kaiser Julian Apostata1, in: Glotta 71, 1993, 189–202

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Häufig werden die drei großen Kappadokier Basilius der Große, sein Bruder Gregor von Nyssa und sein Freund Gregor von Nazianz als Dreigestirn gemeinsam genannt2. Während sich Basilius wohl eher pragmatisch mit den Problemen seiner Zeit auseinandergesetzt hat, wird Gregor von Nazianz meist als weiche, „lyrische Natur“ charakterisiert3. Letzterer trat als Prediger und Dichter hervor und wurde als „kirchlicher Demosthenes“ seiner Zeit bezeichnet4. Er vermochte souverän mit der Sprache umzugehen, ausgebildet an verschiedenen Rhetorenschulen (zu Caesarea in Kappadokien, in Alexandrien, an der heidnischen Hochschule von Athen)5. Da sich Gregor bei seinen theologischen Überzeugungen eng an Schrift und Tradition orientierte, kann er als exemplarischer Zeuge des Glaubensstandes seiner Generation gelten. Vollkommen von der Richtigkeit des katholischen Glaubens überzeugt, musste eine Gestalt wie Julian Apostata ihn aufs Höchste reizen, versuchte dieser doch direkt nach seiner Thronbesteigung im Jahre 361 n. Chr., die alte heidnische Ordnung wiederherzustellen. Dadurch veranlasst, schrieb Gregor zwei Reden gegen Julian Apostata, wohl erst nach dessen Tod.

Auch heute noch bleibt dieser außergewöhnliche Herrscher in der Beurteilung umstritten6. Anhänger hatte Julian Apostata in der Antike zahlreiche, ←299 | 300→etwa den Rhetor Libanios7, die Geschichtsschreiber Zosimos8 und Ammianus Marcellinus9. Trotz des umfangreichen Quellenmaterials ist es recht schwer, ein objektives Bild seiner Person und seines Charakters zu erstellen. Auf der einen ←300 | 301→Seite haben ihn die Anhänger und Verehrer allzu positiv geschildert, auf der anderen Seite die Christen hemmungslos diffamiert und mit dem Schimpfwort Apostata tituliert10.

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