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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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Vorwort

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Die Vorgänge in der Gegenwart lassen sich kennzeichnen durch „eine noch nie dagewesene Periode industrieller Aktivität […], eine Orgie der Börsenspekulation, Finanzschwindel, Abenteurertum der Aktienkompanien“. So urteilte Karl Marx 1871.1 Wenn wir heute Erscheinungsformen dieser Art der Globalisierung zurechnen, dann sieht man, dass sich bestimmte Dinge nicht geändert, wohl aber in ihrem Ausmaß verdichtet und dramatisch verschärft haben. Die Globalisierung als Phänomen ist in diesem Sinne eben nicht so neu, wie viele Interpreten meinen. Was neu ist, sind allerdings die Zuschreibungsmuster und das Begreifen ihrer Zusammenhänge für die tägliche Existenz eines jeden Einzelnen. Davon handeln die folgenden Überlegungen und Ausführungen.

Auch wenn es viele Einzeltheorien aus den diversen Wissenschaftsdisziplinen wie der Ökonomie, der Völkerrechtslehre, der Soziologie, der Geschichte, Philosophie und nicht zuletzt der Politikwissenschaft zur Globalisierung mittlerweile gibt, so existiert dennoch nicht die alles umfassende Theorie der Globalisierung. Diese kann auch gar nicht bis dato formuliert werden, weil die interpretatorischen Zusammenhänge zu stark pfadabhängig sind von den jeweils spezifischen Fragestellungen aus den einzelnen Wissenschaften. Die folgende Argumentation und Beweisführung geht daher auch nicht von dem einen Interpretationsmodell für Globalisierung aus, sie hat, das sei hier ausdrücklich eingestanden, noch nicht einmal eine richtige Theorie dafür, jedenfalls keine der gängigen aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen. Denn auch die Theorien der IB sind in diesem Zusammenhang oft nicht mehr als schöne Modellbeschreibungen, meist unterkomplex in ihren hermeneutischen Zugängen, trotz der dann...

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