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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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VI. Masseneinwanderung

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In der Geschichte der Menschheit hat es immer schon Wanderungen gegeben,1 doch weltweite Wanderungsbewegungen in einem unmittelbaren raumzeitlichen Zusammenhang sind erst aufgrund der technischen Verkehrsmöglichkeiten der Globalisierung ein fester Bestandteil für jede nationale Politik geworden. Die Wanderungsbewegungen der so genannten Epoche der Völkerwanderungen, die das Ende der Antike und den Untergang des Römischen Weltreiches markiert haben, waren Vorgänge, die einige Jahrhunderte beansprucht haben. Nunmehr ist dank Flugzeug, der Bahn und einem intensiven Schiffsverkehr eine weit reichende individuelle Ausgestaltung gegeben, die in ihrer Endkonsequenz jedoch wiederum Masseneffekte beinhaltet – und diese vor allem zeitnah, d.h. nicht nur innerhalb eines Jahrzehnts, sondern auch innerhalb eines Jahres für alle Beteiligten deutlich spürbar sind. Das weltweite Migrationsgeschehen verändert insofern weitaus mehr und mit gravierenden Folgen die bestehende Sozialordnung in den meisten Ländern dieser Welt, insbesondere in den OECD-Staaten, welche die begehrtesten Anlaufplätze für die globale Migration darstellen.

Nach UN-Schätzungen lebten im Jahre 1965 etwa 76 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes. 1985 waren es bereits 105 Millionen und 1995 ca. 125 Millionen. Im Jahr 2005 wurden dann schon fast 191 Millionen Migranten weltweit gezählt.2 Mittlerweile (2019) ist die Zahl der globalen Migration auf ca. 272 Millionen Menschen gestiegen, das sind 3,5 Prozent der weltweiten Population.3 So gravierend diese Steigerung auch ist, muss man sich dennoch die Gesamtrelation vor Augen halten: d.h. die meisten Menschen leben und arbeiten in den Ländern, in denen sie auch geboren wurden. Die...

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