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Die Entdeckung der Landschaft in der italienischen Literatur an der Schwelle zur Moderne

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Birgit Ulmer

Wann beginnt in der italienischen Narrativik die Darstellung einer ästhetischen Erfahrung von Natur als Landschaft? Zunächst gilt es, den Begriff der literarischen Landschaft zu umreißen, der nur auf den ersten Blick unproblematisch erscheint. In der Analyse zentraler Texte der Renaissance und des Barock erweist sich die rhetorische Tradition als dominierendes Element der Darstellung von Natur. Die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts führen schließlich zu Foscolos Briefroman Ultime lettere di Jacopo Ortis, der im Zentrum der Untersuchung steht. Er ist als Schwellentext zu charakterisieren und verweist in einigen Elementen der Naturdarstellung auf moderne ästhetische Konzeptionen. Diese werden in einem perspektivischen Ausblick auf nachromantische Landschaften weiterverfolgt.

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5. Nachromantische Landschaften – Perspektiven 217

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217 5. Nachromantische Landschaften – Perspektiven Manzonis Landschaftsschilderungen – angefangen vom berühmten Eingangstab- leau der Umgebung des Comer Sees bis hin zur Schilderung von Renzos Wein- berg in Kapitel XXXIII der Promessi sposi – sind als pittoresk zu definieren631 und entsprechen damit genau genommen den ästhetischen Tendenzen der Na- turwahrnehmung des 18. Jahrhunderts. Eine Ausnahme hierzu bildet lediglich eine Passage aus der Tragödie Aldechi: Im zweiten Akt berichtet der Diakon Martino von seiner Entdeckung eines Alpenpasses, der den Truppen Karls des Großen einen entscheidenden strategischen Vorteil gegenüber dem longobardi- schen Heer beschert. Die Beschreibung dieser unberührten hochalpinen Land- schaft (Verse 167-256), deren menschenfeindlicher Charakter durch die Wen- dung ins Religiöse sublimiert wird, ist ein Novum in der literarischen Tradition Italiens. Außerdem ist die lyrische Struktur der Verse durch zahllose Enjambe- ments aufgelöst, so dass der Abschnitt überaus prosaisch anmutet und bereits formal-stilistisch hervorgehoben ist. Die anklingende neue Sicht auf die Natur bleibt innerhalb von Manzonis Werk allerdings isoliert und findet weder in des- sen Roman noch bei zeitgenössischen oder nachfolgenden Autoren einen Wi- derhall. Bekanntlich werden zwar einige Elemente, so auch bestimmte Landschafts- schilderungen, aus Foscolos Werken und insbesondere aus dem Ortis von den romantischen Autoren aufgenommen632, dies führt jedoch nicht zu einer strin- 631 Vgl. Bernsen, op. cit. Die Landschaftsschilderungen Manzonis sind bereits detailliert beschrieben und analysiert worden, etwa in: Marcazzan, M.: "Il paesaggio dei Promessi sposi." In: Humanitas, 3 (1948), n. 12, S. 1198-1213 und 4 (1949), n. 1, S. 99-108;...

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