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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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VI. Ungewöhnlich heftige Gegenübertragungsreaktionen 88

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88 VI. Ungewöhnlich heftige Gegenübertragungsreaktionen Eine an Eileiterkrebs erkrankte Analysandin fürchtet ein Rezidiv. Mehr noch als sonst ist in den Sitzungen Rede von ihren erschreckenden Todesängsten. Wir warten beide, jeweils auf unterschiedliche Weise, voller Angst auf die Ergebnisse der neuerlichen medizinischen Untersuchungen. Dann ist es soweit. Die Analysandin kommt in die Sitzung, legt sich auf die Couch, schweigt einige Minuten lang und teilt mir die schlechte Nachricht mit: man hat wieder einen Tumor ausgemacht. Fast unmittelbar auf diese Mitteilung hin schlafe ich hinter der Couch ein. Als ich nach kurzer Zeit erwache, kann ich nicht begreifen, wie mir dies geschehen konnte. Es gehört nicht zu meinen Gewohnheiten, hinter der Couch zu dösen oder ein- zuschlafen. Ich war auch nicht besonders müde. Und vor allem lag mir sehr viel an dieser Analysandin: in meiner vorherrschenden Gegenübertragungshaltung hatte ich auch in schwierigen Perioden der Analyse nie die Neigung verspürt, mich psychisch von ihr zurückzuziehen. Zum Zeitpunkt der Diagnose des zweiten Tumors war sie seit vier Jahren in Analyse mit vier Wochenstunden. Das Bedürfnis, meine Gegenübertra- gungsreaktion besser zu verstehen, hat mich dazu geführt, auch andere analytische Si- tuationen zu bedenken, in denen ich besonders heftigen Gegenübertragungsreaktionen unterworfen war. Meine Reaktion – das Einschlafen – war nicht Ausdruck einer Gegenübertra- gungsposition, sondern eher der einer Gegenbewegung (Parat, 1995, S. 165). Meine punktuelle „Reaktion“, diese ungewöhnliche Gegenübertragungs-Gegenbewegung ist zu unterscheiden von einer Gegenübertragungsposition bzw. –„strukturierung“. Meine Reaktion unterschied...

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