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Gegliederter Universalismus

Politische Philosophie und ihre Tendenzen in der bundesdeutschen Parteienprogrammatik

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Matthias Bublitz

Wie kann Philosophie zur Gestaltung von Politik beitragen? Nach Ansicht des Autors ist dies nur möglich, wenn sie sich für das Partikulare und Tendenzöse öffnet. Ihr Weg in die politische Wirklichkeit kann nur über die Parteien erfolgen. Zugleich sollte sie sich aber um eine – noch näher zu bestimmende – Form von Universalität bemühen, die die verschiedenen Tendenzen auf einer höheren Ebene kompatibel macht. Der Ansatz eines «gegliederten Universalismus», den der Autor entwirft, versucht, sich beiden Zielen gleichermaßen anzunähern. In einem weiteren Schritt werden philosophische Definitionen für sechs politische Richtungen vorgeschlagen (Liberalismus, Sozialdemokratie, Sozialismus, Wertkonservatismus, Strukturkonservatismus, alternative Ansätze). Diese Definitionen folgen einem übergreifenden Grundschema und verweisen zudem aufeinander, sodass die Ebene des bloß Einseitigen partiell transzendiert wird. Im folgenden Analyse-Teil werden Texte der philosophischen Tradition, aber auch aktuelle Parteiprogramme anhand der entwickelten Tendenzdefinition auf ihren normativen Gehalt hin untersucht. Die Ergebnisse zeigen die Aktualität und Reichweite der klassischen Anschauungen, mit denen sich auch heute noch ein großer Teil des programmatischen Gedankenguts der Parteien erfassen lässt. Sie zeigen aber auch, wie sehr die einzelnen Tendenzen der Relativierung durch andere bedürfen und wie plural philosophische Texte und Parteiprogramme oft sind.

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Teil D: Eine politische Analyse philosophischer Texte 159

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Teil D: Eine politische Analyse philosophischer Texte Im Folgenden sollen neuzeitliche gesellschaftstheoretische Texte einer Analyse anhand der in 2.2. entwickelten Tendenzdefinitionen unterzogen werden. Eine Auswahl der zu untersuchenden Texte ist ohne Willkür nicht möglich. Da es in dieser Arbeit um die Verknüpfung von Philo- sophie und Parteiprogrammatik geht, liegt der Schwerpunkt auf philo- sophischen Texten. Die Philosophen werden dabei – wie gesagt – nicht direkt in Beziehung zu einer Partei gesetzt, sondern in Beziehung zu einzelnen Tendenzen. Eine direktere Verbindung zwischen Philosophen und Parteien – also ohne Vermittlung durch die Tendenzen – scheint uns nicht möglich, da die einzelnen Parteien in ihrem Gedankengut bis zu einem gewissen Grade durchaus heterogen sind, wie wir bei der Ana- lyse der Parteiprogramme (Abschnitt 3.2.) feststellen werden. Es wurden zunächst einmal drei `Systemphilosophen` (bzw. einzel- ne Texte von ihnen) ausgewählt. Die Wahl fiel auf einen Rationalisten (Spinoza), einen Empiristen (Hume) und einen Irrationalisten (Schopen- hauer). Wichtige Strömungen der neuzeitlichen Philosophie können so behandelt werden. Bei ihrer Betrachtung haben wir uns von der Über- legung leiten lassen, dass die interessanten politischen Implikationen einer Philosophie nicht in erster Linie dort zu finden sind, wo es explizit um Politik geht. Denn hier spielen Zeitbedingtheiten, persönliches In- volviertsein und soziale Rücksichten keine geringe Rolle. Wir versuchen im Folgenden, die philosophischen Systeme auch und gerade in ihren nicht unmittelbar politischen Aussagen politisch zu durchleuchten. So ist es z.B. möglich, Schopenhauer nicht nur als Konservativen zu sehen, obwohl er dies auf der unmittelbar...

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