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Naturwissen, Ästhetik und Religion in Bernardin de Saint-Pierres «Études de la nature»

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Torsten König

Bernardin de Saint-Pierres Études de la nature (1784) stellen den Versuch dar, die gesamte Natur und ihre Organisationsgesetze zu beschreiben. Dabei verknüpfen sie verschiedenste Bereiche des Wissens. Sie diskutieren naturphilosophische, theologische und ästhetische Fragen ebenso wie solche der Naturgeschichte. Diese Arbeit untersucht unter Einbeziehung diskursgeschichtlicher Kontexte die Verknüpfungen dieser Fragen durch den Text. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und dessen Artikulationsformen, insbesondere literarischer Ausdrucksweisen. Anhand von Bernardin de Saint-Pierres Naturstudien können damit exemplarisch Transferprozesse zwischen Wissensbereichen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts analysiert werden, die einerseits an der die Zeit charakterisierenden Ausdifferenzierung naturwissenschaftlicher Disziplinen beteiligt waren, andererseits an der Herausbildung einer modernen Naturästhetik. Mit Blick auf den Autor zeigt die Untersuchung der Études de la nature neue Verstehensmöglichkeiten für dessen erzählerisches Werk auf.

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IX. Exkurs: Der Roman Paul et Virginie als tableau de la nature 296

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296 IX. Exkurs: Der Roman Paul et Virginie als tableau de la nature Unter den Werken aus Bernardins Feder ist heute der Roman Paul et Virginie das bei weitem bekannteste. Er steht beinahe ausschließlich im Zentrum des In- teresses an diesem Autor. Die Études de la nature dagegen sind fast vergessen und werden auch in der Rezeption und kritischen Erforschung des Romans als Verstehensorientierung wenig berücksichtigt.769 Dabei ist Paul et Virginie 1788 im vierten Band der dritten Auflage der Études erschienen und schon allein aus diesem Grund in engem Zusammenhang mit ihnen zu sehen. Bernardin selber bezeichnet den Roman in der langen Préambule zur Ausgabe von 1804 als „délassement“ von den Études und als „application“ der in ihnen erstellten Ge- setze „au bonheur de deux familles malheureuses.“ (PV, 3 f.)770 Er steht also nach Aussagen des Autors in engem Zusammenhang mit den Études de la natu- re und stellt eine Art Illustration der Theorien aus dem vorangehenden philoso- phischen Werk dar. Diese Beziehung wird auch in einem unveröffentlichten Manuskript deutlich, wo Bernardin bekräftigt, der Roman beschließe das Ergeb- nis seiner gesamten Philosophie in sich.771 Im Folgenden soll versucht werden, die hier suggerierten Verbindungslinien zwischen den Theoremen der Études und dem Roman genauer zu bestimmen. Dabei liegt der Schwerpunkt des Inte- resses auf dem Nexus zwischen Natur bzw. Naturerkenntnis und Moral im Den- ken Bernardins. Es wurde vorangehend gezeigt, dass in den Études die Frage nach der richtigen Erkenntnis der Natur Kritik am...

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