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Sanatio in radice

Historie eines Rechtsinstituts und seine Beziehung zum sakramentalen Eheverständnis der katholischen Kirche

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Peter Fabritz

Kann man eine ungültige Ehe gültig machen? Ist Gültigkeit überhaupt ein Kriterium für die Ehe? Was sind die Voraussetzungen, um eine Ehe als gültig oder ungültig zu bezeichnen? Besitzt die Kirche eine rechtliche Gewalt über die Ehe, die es ihr erlaubt, eine Ehe als gültig oder ungültig zu klassifizieren? Die Ehe kommt zustande durch den Willen zur Ehe, den beiderseitigen Konsens der Partner. Keine Macht der Welt kann ihn auflösen. Der Konsens kann aber existent sein und dennoch ungültig, weil zum Zeitpunkt der Konsensabgabe ein Hindernis vorlag. Hier hat sich im 14. Jahrhundert ein Rechtsinstitut entwickelt, mit dem die Päpste ungültige Ehen Kraft apostolischer Autorität rückwirkend für gültig erklärt haben: Die sanatio in radice – die Heilung in der Wurzel. Die Arbeit versucht ausgehend vom römischen Recht über die Anfänge kirchlicher Ehedispens bis hin zur Gegenwart eine rechtshistorische Gesamtdarstellung der sanatio in radice vorzulegen.

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2. Kapitel: Von der dispensatio zur sanatio in radice – die rechtsgeschichtliche Entwicklung

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61 2. Kapitel: Von der dispensatio zur sanatio in radice – die rechts- geschichtliche Entwicklung A. VOR DEM KONZIL VON TRIENT I. Ursprünge der Rechtsinstitute Dispens und Konvalidation Bei der Darstellung der rechtshistorischen Entwicklung des Rechtsinstitutes sa- natio in radice ist von entscheidender Bedeutung, dass der Begriff sanatio erst 1788 auftaucht. Zuvor umschrieb man diese rechtliche Praxis – seit dem 14. Jahrhundert – mit dispensatio in radice, die den Vorgang eigentlich deutlicher benennt. Sanatio ist bereits eine Interpretation dessen, was sich ereignet hat. Formalrechtlich handelt es sich um ein Dispensverfahren. Daher sollen zunächst die Ursprünge der Dispens in Bezug auf die Ehe umrissen werden. Die ange- führten konziliaren und synodalen Aussagen stützen sich häufig auf das Konzil von Agde. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass sich das frühmittelalterliche Ehe- recht im Wesentlichen als das "Produkt eines geschichtlichen Vorganges"132 darstellt. Es vermischen sich Elemente germanischer Eheauffassung mit dem von der Kirche vertretenen christlichen Eheverständnis und der rechtlichen Aus- gestaltung der Eheordnung, während im fränkischen Kulturkreis noch römische Einflüsse auszumachen sind. "Galten vorher die kirchlichen Bemühungen vor- rangig den Problemen, die aus dem Widerstreit der recht freizügigen Bestim- mungen des römischen Eherechts (und mehr noch seiner Praxis) mit den stren- gen Forderungen der christlichen Ehemoral entstanden, so beherrschten seit die- sem Zeitpunkt die Fragen nach Anerkennung, Durchsetzung und Ausdehnung der Eheverbote wegen Verwandtschaft und Schwägerschaft eindeutig das Feld der synodalen eherechtlichen Bemühungen. Das gilt in erster Linie...

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