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Hans-Georg Gadamer als Platon-Interpret: Die Musik

Aus dem Italienischen übersetzt von Leonie Schröder

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Mariannina Failla

«Fangen die Engel/wirklich nur Ihriges auf/ihnen Entströmtes,/oder ist manchmal, wie aus Versehen, ein wenig/unseres Wesens dabei? Sind wir in ihre/Züge soviel nur gemischt wie das Vage in die Gesichter/schwangerer Frauen?» Diese Verse aus der zweiten Elegie von Rainer Maria Rilke benennen den philosophischen Kern dieses Buches: die Beziehung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit in Hans-Georg Gadamers Denken. Die Musik erscheint als ungewöhnlicher, aber unverzichtbarer Führer, um die Wege der Dialektik von Logos/Sprache und der Beziehung zwischen dem Schönen und Guten nachzuvollziehen, die für Gadamers Humanismus kennzeichnend sind.

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Zweites Kapitel: Musik zwischen Mathematik und Ethik 59

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59 Zweites Kapitel Musik zwischen Mathematik und Ethik 1. Die Musik im Philebos Auf den ersten Seiten des Kommentars zum Philebos von 1931 betrachtet Gadamer die Dialektik nicht zuletzt unter Anspielung auf die Musik. Er meint, man müsse sich völlig darüber klar werden, in welchem Sinn das Eine auch das Viele sein kann,101 und setzt hinzu, es gehe nicht um das Verständnis des ontischen, banalen und offenkundigen, sondern des ontologischen Sinns der Durchdringung von Einem und Vielem.102 Die- ses Problem wird im ersten Teil des Parmenides ausführlich behandelt, während sich im zweiten Teil durch die Einführung der Mischung der „Einheiten“ eine bestimmte Lösung andeutet. Ihren zentralen Ort findet die Lösung jedoch eher im Philebos als im Parmenides, wo das Problem einzig in aporetischem Sinn behandelt wird. Das Thema der Mischung der Gattungen wird im Philebos auf sehr be- deutsame Weise präzisiert. Zunächst muss man sich Gadamer zufolge das Unterteilungsverfahren der Gattungen in Arten vor Augen führen. Dieses Verfahren – das Sokrates als zweite göttliche Gabe an den Menschen de- finiert, gleich dem Prometheus geschenkten Feuer – muss vom Unbe- grenzten, das unbestimmte Unendlichkeit ist, zu einer bestimmten Viel- heit, vom apeiron zum peràs führen. Nur mit diesem diairetischen Ver- fahren wird man vom Einen zur Vielheit, zu den Vielen, die Eins sind, gelangen. 101 Gadamer, Platons dialektische Ethik. In: GW 5, S. 84. 102 Ebd. „Das echte Problem des Einen und Vielen entsteht dagegen erst bei...

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