Show Less

Das moralische Risiko der GKV im Spannungsfeld zwischen Solidarität und Eigenverantwortung

Series:

Sven Wolf

Die gesetzliche Krankenversicherung ist aufgrund ihrer Konzeption als Vollkaskoversicherung auf die wechselseitigen Verpflichtungen zwischen dem einzelnen Versicherten und der Solidargemeinschaft angewiesen. Für die unbedingte Einstandspflicht der Versichertengemeinschaft muss der Einzelne seiner Eigenverantwortung gerecht werden, um Leistungsfälle möglichst zu vermeiden. Die Arbeit untersucht in zwei Stufen zunächst die normativen Vorkommen der Solidarität und Eigenverantwortung auf ihre Tauglichkeit in der Verhaltenssteuerung. Zweitens wird beispielhaft für vier moralische Risiken erarbeitet, ob und unter welchen Voraussetzungen von dem Regress nach § 52 SGB V Gebrauch gemacht werden kann. Im Ergebnis wird dies nur für die Krankheitszuziehung durch Ausübung von Risikosportarten bejaht.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Kapitel Spannungsbereich zwischen Solidarität und Eigenverantwortung 165

Extract

4. Kapitel: Spannungsbereich zwischen Solidarität und Eigenverantwortung Die für die GKV charakteristische fehlende Äquivalenz zwischen Beitrag und Leistung führt zu einem Spannungsbereich zwischen Solidarität und Eigen- verantwortung. Denn wer aufgrund der Entkopplung der Beitragshöhe vom individuellen Risiko seine Eigenverantwortung als Versicherter vernachläs- sigt, kann wegen des vorbehaltlosen Einstehens der Versicherungsgemein- schaft das Solidarprinzip einseitig zu seinen Gunsten aushebeln581. Dem uneingeschränkten Bekenntnis zum Solidarprinzip muss deshalb die Erkennt- nis folgen, dass derjenige, welcher ohne Rücksicht auf die Belastung der Solidargemeinschaft handelt, nicht gleichzeitig darauf vertrauen darf, dass dieselbe für sein individuelles Fehlverhalten bedingungslos eintritt. Keine Wohltat ohne Wohlverhalten also. Die Verantwortungsbalance wäre gestört, wenn sie der einzelne Versicherte einseitig zu seinen Gunsten verschieben könnte. Als Ergebnis entstünde die Gefahr, dass die Versichertengemeinschaft ihrerseits die wechselseitige Verpflichtung, für einander einzustehen, aufkün- digt und damit das Solidarprinzip ins Wanken gerät. Im Extremfall könnte ohne Eigenverantwortung kein Gemeinschaftsmitglied auf das Einstehen anderer Mitglieder vertrauen; das Solidarprinzip wäre seines Fundamentes beraubt. Mit diesen Grundsätzen solidarischen Handelns verträgt sich schlecht, dass in jeder Versicherung mit vollumfänglicher Leistungszusage im Versiche- rungsfall das Phänomen der sogenannten „Null-Tarif-Mentalität“, alternativ als „Mitnahmeeffekt“ bezeichnet, auftritt582. Dieser Verhaltensauswuchs kann im Speziellen mit dem Pflichtversicherungscharakter der GKV begründet werden, in der die Versicherten wegen des Zwangscharakters die Beitragsver- pflichtung nicht abwenden können. Denn mit der grundsätzlich vollen Abde- ckung im Krankheitsfall zeigt sich in der Folge f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.