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Gott hat Israel nicht verstoßen

Biblisch-exegetische und theologische Perspektiven in der Verhältnisbestimmung von Israel, Judentum und Gemeinde Jesu

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Jacob Thiessen

Diese Arbeit sucht nach biblisch-exegetischen Antworten auf die Frage, was es in Bezug auf die Erwählung Israels und auf das Verhältnis der Gemeinde Jesu zu Israel als Volk Gottes bedeutet, dass Gott Israel «nicht verstoßen hat» (Röm 11,1f.). Nach einer Übersicht über die Substitutionstheorie in Geschichte und Gegenwart wird die bleibende Erwählung Israels nach Röm 9-11 exegetisch begründet. Alsdann geht es um das Verhältnis der Gemeinde Jesu zu Israel als Volk Gottes und um die Bedeutung des Neuen Bundes für diese Verhältnisbestimmung. Schwerpunkt der letzten Kapitel ist die Frage nach der verheißenen Wiederherstellung der Herrschaft Gottes für Israel aus der Sicht des Neuen Testaments und nach ihrer Beziehung zu der «tausendjährigen Königsherrschaft» Jesu Christi (Offb 20,1-6).

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9. Ergebnis 195

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195 9. Ergebnis 1. Paulus bestätigt die bleibende Erwählung Israels. In Röm 9,6 betont der Apostel Paulus, dass Gottes Wort „nicht hinfällig geworden ist“, auch wenn nicht alle seine „Brüder“ bzw. „Verwandte dem Fleisch nach“ (vgl. Röm 9,3) an den Messias Jesus gläubig geworden sind. Dabei geht es um die Frage nach der Erwählung Israels. Diese Erwählung bleibt trotz Gericht über den Unglauben Israels bestehen, denn auch dieses Gericht steht im Einklang mit den Bündnissen Gottes, die Israel „gehören“ (vgl. Röm 9,4), und den damit verbundenen Verheißungen, wie Paulus in Röm 9–11 begründet. Gott gebraucht das Gericht über Israel, um seinen „Namen“ nicht nur in Israel zu ver- herrlichen, sondern ihn und damit sein Heil auch unter den „Heiden“ bekannt zu ma- chen (vgl. Röm 9,17.22-24). Doch Israels Erwählung ist damit nicht aufgehoben. Vielmehr wird Gott, nachdem die „Fülle der Heiden“ in das Volk Gottes eingegangen ist, „ganz Israel“ erretten (Röm 11,25f.). Damit bestätigt Paulus nicht nur die bleibende Erwählung Israels, sondern auch die noch ausstehende Erfüllung prophetischer Verheißungen in Bezug auf die endzeitliche Wiederherstellung Israels und die damit verbundene Umkehr von „ganz Israel“, d.h. vom „Haus Israel“ und vom „Haus Juda“ zu Jahwe. Dabei haben die Propheten bereits nicht nur das zukünftige Heil Israels angekündigt, sondern immer wieder auch darauf hingewiesen, dass dieses Heil auch die „Heiden“ errreichen...

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