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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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1.2 Wer ist Subjekt, wer ist Objekt? Wechsel der Perspektiven 108

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108 1.2 Wer ist Subjekt, wer ist Objekt? Wechsel der Perspektiven. 1.2.1 Im "Hohenlied" Salomos preisen die Liebesleute sich gegenseitig im Wechselgesang, und die Anzahl der Strophen sowie die Art gegenseitiger Huldigungen, die von männlicher bzw. weiblicher Seite gesungen werden, halten sich die Waage. 1.2.2 In der maurischen Dichtung hat sich die Artikulierung stark auf die männliche Seite verschoben, wobei sich die Liebesdichtung, von diesem männlichen Standpunkt aus, sowohl auf männliche wie auf weibliche Liebesobjekte beziehen kann310. Oft wird die geschlechtliche Identität bewusst in der Schwebe gehalten, wodurch sich für die Übersetzung die Frage ergibt, in welcher Richtung der Text interpretiert werden soll311. Häufig gibt Rücksichtnahme auf den Zuhörer-/Leserkreis im jeweiligen Kulturkreis den Ausschlag für die Interpretation, insŔ besondere bei hochgradig erotischen Texten312. 1.2.3 Bei Fernán Caballero und den volkstümlichen Liedersammlungen wie den "cancionero murciano" oder den "cancionero granadino" finden sich noch einige Liebeslieder von Frauen an den Mann, wogegen dies in den reinen Flamenco-Liedersammlungen sehr selten mehr vorkommt. Tarby geht daher bei seiner Untersuchung "Eros flamenco" strikt davon aus, dass das Textsubjekt der Mann und das Objekt die Frau ist; eine weitere Möglichkeit wird von ihm gar nicht erst in Betracht gezogen313. 310 Siehe hierzu Bossong, G. 2005, S. 279: "In einer Lyrik, wo das Schwanken der Personalpronomina zwischen Maskulin und Feminin zu den üblichen Stilmitteln gehört, ist eine solch explizite Darstellung einer gleichzeitigen Liebe zu Mann und Frau bemerkenswert." (-da die geschlechtliche Identität...

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