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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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3.3 Der Bildungsroman: terminologische und historische Verortung des deutschen Bildungsromans 60

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60 3.3 Der Bildungsroman: terminologische und historische Verortung des deutschen Bildungsromans 3.3.1 Gattungstypologische Voraussetzungen und terminologische Herleitung des Bildungsromans Voraussetzung für die Etablierung des Bildungsromans ist die Vorstellung der menschlichen Bildsamkeit schlechthin. Der Protagonist muss als Individuum konzeptualisiert sein, seine „formbare, selbstreflexive Individualität“218 begrün- det das Muster des Bildungsromans, das trotz aller Varianten des Typus grund- legend bleibt. Hieraus leiten sich grundsätzliche Strukturmomente ab, die sich auf einen dezidiert männlichen Lebensweg des Protagonisten beziehen.219 Die Definition des Bildungsromans ist im deutschsprachigen Bereich nicht eindeutig. Anders ist dies in der anglo-amerikanischen Kritik. Hier ist der Beg- riff als terminus technicus weit verbreitet und wird relativ unkritisch auf Roma- ne angewendet, die die soziale und psychologische Entwicklung des Protagonis- ten nachzeichnen.220 Trotz aller Schwierigkeiten, den Bildungsroman terminolo- gisch exakt zu erfassen, wird dieses Romangenre gerade im anglo-amerika- nischen Kontext häufig untersucht. Viele Romane werden unter Bildungsroma- nen subsumiert, da ihn kein Begriff bisher erfolgreich verdrängen konnte. Das Paradoxon des Bildungsromans stellt dar, dass der Begriff auf eine Vielzahl von Romanen angewendet werden kann, wenn eine allgemeine Definition zugrunde gelegt wird, aber auch auf eine kleine Anzahl von Werken im deutschen Huma- nismus beschränkt sein kann.221 Fritz Martini zweifelt ihn sogar als eigenständi- ge Gattung an, da es sich um keine formale literarische Form sondern eine histo- rische und inhaltlich bedingte Erzählweise handelt. 222 Auch Marc Redfield er- scheint es in seiner Schrift Phantom Formations nur folgerichtig, den Terminus als „pseudo genre...

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