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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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9.4 Der Protagonist Michael Holme –Musik als Substitut für das Selbst 244

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244 9.4 Der Protagonist Michael Holme – Musik als Substitut für das Selbst 9.4.1 Entwicklung des Künstlerprotagonisten durch Zurückweisung der Gesellschaft Michael Holme verkörpert paradigmatisch die Außenseiterexistenz eines Künst- lers in einer Großstadt.1186 Da der Alltag ganz auf das Musizieren ausgerichtet ist, spielen anderweitige Tätigkeiten und Personen im Roman eine nur sehr un- tergeordnete Rolle. Das Treffen mit der alten Liebe Julia Hansen nimmt in die- sem gleichförmigen Alltag folglich eine herausragende Stellung ein. Erst hier wird die Isolation, die der Protagonist bisher passiv akzeptiert hat, als prekär wahrgenommen, bündelt sie doch die Diskrepanz zwischen dem bürgerlichen Leben Julias und dem Künstlerleben Michaels. Der homodiegetische Erzähler Michael Holme lebt allein in einer im ach- ten Stock liegenden Wohnung am Londoner Hyde Park. Sein Alltag ist durch tägliches Üben in seiner „soundproof cell“ (AEM, 5), die keine Geräusche und kein Außenlicht in den Raum dringen lässt, durch Unterrichten sowie durch ge- meinsame Proben mit dem Maggiore-Quartett bestimmt, als dessen zweiter Vio- linist er seinen Lebensunterhalt verdient (vgl. AEM, 8). Trotz seiner Arbeit nagt eine große persönliche Unsicherheit an dem 37-jährigen Protagonisten: „Where am I now, with my life half gone? Where will I be when I am my father’s age?“ (AEM, 224). Die Darstellung von Michaels alltäglicher Lebenswelt affiziert eine „sterile and claustrophobic world of introspection, anxiety, and nostalgia.“1187 Roopali Gupta stellt fest, dass die Musik die einzige bedeutungstragende...

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