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Clinton am Kivu-See

Die Geschichte einer afrikanischen Katastrophe

Helmut Strizek

In der Regierungszeit des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton von 1993 bis 2001 ist das zentrale Afrika aus den Fugen geraten. Die amerikanische Politik hat dazu beigetragen. Auslöser für eine Kettenreaktion von Katastrophen (Ruanda-Krieg 1994 und die beiden Kongo-Kriege 1996/1997 und 1998/1999) war Clintons «Flucht aus Somalia» nach dem Desaster von Mogadischu am 3. Oktober 1993. Dem Wirken der Clinton-Administration östlich und westlich des Kivu-Sees und dem Scheitern der nach dem Fall der Berliner Mauer eingeleiteten Demokratisierung auch in diesem Teil der Welt wird in der Untersuchung nachgespürt. Dabei taucht ein «Sudan-Syndrom» als möglicher Erklärungsschlüssel für die amerikanische Politik seit 1993 auf.

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Exkurs: Deutsche Politik im Gebiet der Großen Seen Afrikas 332

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332 Exkurs: Deutsche Politik im Gebiet der Großen Seen Afrikas1058 1. Die Bundesrepublik Deutschland und das zentrale Afrika vor 1994 Das Gebiet der ehemaligen belgischen Kolonien bzw. Mandatsgebiete in Afrika spielte in der deutschen Außenpolitik eine nur untergeordnete Rolle. Weil dort das Französische als internationale Sprache vorherrschte, war die Re- gion der Großen Seen aus deutscher Sicht eher ein Auslaufmodell. Man war sich einig, dass Adenauer 1957 Frankreich zuliebe der Bildung des Europäischen Entwicklungsfonds im Rahmen der Römischen Verträge zugestimmt hat. Die Franzosen hatten ein Interesse daran, Deutschland an den Nachfolgekosten sei- ner afrikanischen Kolonien zu beteiligen. Aber bald fanden sich immer weniger Deutsche, die im Gebiet der ehemaligen französischen Besatzungszone Franzö- sisch als erste Fremdsprache gelernt hatten. Für die Jüngeren war es viel leich- ter, sich im anglophonen Afrika zurechtzufinden. Im Kalten Krieg hatte Kongo-Kinshasa eine gewisse strategische Bedeu- tung, aber dafür waren die USA und allenfalls noch Belgien und/oder Frank- reich zuständig. Mobutu war ein treuer Verbündeter des Westens. Aber er wurde immer weniger frequentabel. Nur noch Franz-Josef Strauß traute sich, seine Sympathie für diesen afrikanischen Helfer des Westens zu dokumentieren. Die von der CSU getragene Hanns-Seidel-Stiftung und ihr Geschäftsführer Siegfried Lengl hatten schon gute Beziehungen zu Mobutu geknüpft, bevor Lengl seine Sympathien für diesen afrikanischen Vollblutpolitiker ab 1982 als BMZ- Staatssekretär in die „große Politik“ einbringen konnte. Allerdings wurde sein Schwung von seinem Minister Jürgen...

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