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Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler

Der Gender-Aspekt in der Wahlkampfberichterstattung über Angela Merkel und Gerhard Schröder

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Astrid Freudenstein

Mit Angela Merkel wird 2005 zum ersten Mal eine Frau Bundeskanzlerin in Deutschland. Nach einem nur wenige Monate dauernden Blitzwahlkampf setzte sie sich gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder durch. Ein Sieg der Union über Rot-Grün oder der Sieg einer Frau über einen Mann? Beides. In dieser Arbeit wird der zweite Aspekt aufgearbeitet. Welche Rolle spielte der Aspekt Gender in diesem Wahlkampf? Wie gingen die Medien mit dieser völlig neuen Geschlechterkonstellation um? Welche Vor- oder Nachteile hatten die Kandidaten aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit? Es war der erste Wahlkampf auf Bundesebene, in dem es tatsächlich auch um Rollenbilder und Lebensformen ging. Grundlage der Studie ist eine Inhaltsanalyse von Wahlkampfberichten der überregionalen deutschen Tageszeitungen.

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2 Gender, Politik und Medien: Theoretische Grundlagen 15

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2 Gender, Politik und Medien: Theoretische Grundlagen 2.1 Gender als soziales Konstrukt Die Terminologie in der Geschlechterforschung stellt sich ausgespro- chen uneinheitlich dar. Für das deutsche Wort Geschlecht existieren im englischen Sprachraum die Begriffe sex und gender. In weiten Teilen der Forschung steht heute das angloamerikanische gender als soziales oder kulturelles Geschlecht des Menschen sex als biologisches Geschlecht ge- genüber.2 Der ins Deutsche übernommene Begriff Gender bezeichnet folglich Persönlichkeit und Verhalten, eine „kulturelle Interpretation und Entwicklung des physiologischen Geschlechtsunterschiedes" (Wesely 2000: 31). Dabei wird davon ausgegangen, dass „die grundlegenden Pa- rameter der Identität durch den Körper konstituiert werden" (ebd.). Das biologische Geschlecht wird in diesem Konzept durch kulturelle, histori- sche und gesellschaftliche Implikationen ge- und überformt. Während 2 Als Hauptvertreterin der Gegenrichtung darf Judith Butler gelten. Sie stellt die Zweigeschlechtlichkeit radikal in Frage und vertritt die Auffassung, dass Ge- schlecht ausschließlich eine soziale Kategorie darstellt, die erst in einer nach- geordneten Instanz dem Körper ein biologisches Geschlecht einschreibt. Sie wendet sich also konsequent von der Idee einer Unterscheidung von sozialem und ein biologischem Geschlecht ab und vertritt vielmehr die These, sex als biologisches Geschlecht sei ebenso wenig wie gender natürlichen Ursprungs. Sie stellt auch die Neigung feministischer Forschung in Frage, Frauen als Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Interessen zu betrachten. Ethnische, kultu- relle, soziale oder intellektuelle Unterschiede zwischen Frauen würden so nihi- liert und der Eindruck erweckt, es gebe ein binäres System der Geschlech- terbeziehungen. Dies verfestigt nach Butler...

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