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Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler

Der Gender-Aspekt in der Wahlkampfberichterstattung über Angela Merkel und Gerhard Schröder

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Astrid Freudenstein

Mit Angela Merkel wird 2005 zum ersten Mal eine Frau Bundeskanzlerin in Deutschland. Nach einem nur wenige Monate dauernden Blitzwahlkampf setzte sie sich gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder durch. Ein Sieg der Union über Rot-Grün oder der Sieg einer Frau über einen Mann? Beides. In dieser Arbeit wird der zweite Aspekt aufgearbeitet. Welche Rolle spielte der Aspekt Gender in diesem Wahlkampf? Wie gingen die Medien mit dieser völlig neuen Geschlechterkonstellation um? Welche Vor- oder Nachteile hatten die Kandidaten aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit? Es war der erste Wahlkampf auf Bundesebene, in dem es tatsächlich auch um Rollenbilder und Lebensformen ging. Grundlage der Studie ist eine Inhaltsanalyse von Wahlkampfberichten der überregionalen deutschen Tageszeitungen.

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5 Diskussion und Ausblick 209

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5 Diskussion und Ausblick Die journalistische Berichterstattung der überregionalen Tagespresse über Angela Merkel und Gerhard Schröder im Bundestagswahlkampf 2005 fällt in vielerlei Hinsicht unterschiedlich aus. Wie die Analyse von insgesamt 422 Textbeiträgen ergab, wurde über die Herausforderin in den vier Wochen vor der Bundestagswahl häufiger und detaillierter be- richtet als über den Kanzler. Sie tauchte deutlich öfter in Nachrichten und Berichten auf, sie war häufiger Gegenstand von Kommentaren, Porträts und Glossen. Lediglich bei den ohnehin seltener vorkommen- den Dokumentationen, Hintergrundberichten, Reportagen und Inter- views lag der Kanzler im Vergleich der Spitzenkandidaten quantitativ vorn – hier handelte es sich allerdings häufig um Rückblicke auf die zu Ende gehende Legislaturperiode der rot-grünen Bundesregierung. Die aktuelle Berichterstattung war indes klar von Angela Merkel dominiert. Dies wird auch bei der Betrachtung der Beitragslängen deutlich: Die kur- zen, meist tagesaktuellen Meldungen und Berichte mit einer Länge bis zu 300 Wörtern befassten sich ganz überwiegend mit der Bewerberin und ihrer Politik. Die sehr langen Artikel mit mehr als 1000 Wörtern, die sich oft auf Vergangenes oder Zeitloses bezogen, waren hingegen eine Do- mäne des Kanzlers. Das unterschiedlich starke Vorkommen der Kandidaten in den diver- sen Darstellungsformen bedingt zwangsläufig Unterschiede in der Plat- zierung der Artikel. Dokumentationen, Hintergrundberichte, Reportagen und Interviews beschäftigten sich häufiger mit Schröder als mit Merkel, solche Darstellungsformen sind aber nicht auf der Titelseite platziert. Tagesaktuelle Meldungen und Berichte hingegen, in denen Merkel domi- nierte, stehen schon...

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