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Der kindliche Ich-Erzähler in der modernen Kinderliteratur

Eine erzähltheoretische Analyse mit Blick auf aktuelle Kinderromane

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Regina Hofmann

In Folge eines gewandelten Kindheitsbildes entsteht zu Beginn der 1970er Jahre der moderne Kinderroman. Damit kommt es zu inhaltlichen, thematischen und darstellungstechnischen Veränderungen in der Kinderliteratur und auch zum Durchbruch des «kindlichen Ich-Erzählers». Bislang wurde dieses Phänomen nicht eingehender untersucht. Ziel dieser Studie ist es daher, die Besonderheiten des kindlichen Ich-Erzählens in der Kinderliteratur herauszuarbeiten. Dies geschieht, indem zunächst ein Überblick über Berührungspunkte zwischen Kinderliteraturforschung und Narratologie gegeben wird. Im Anschluss daran werden einzelne kindliche Ich-Erzähler in der Geschichte der deutschen und ins Deutsche übersetzten Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart vorgestellt. Den Schwerpunkt bildet die Entwicklung eines Analyseinstrumentariums zur Bestimmung, Beschreibung und Untersuchung kindlicher Ich-Erzähler. Anhand von exemplarischen Analysen wird das Phänomen des kindlichen Ich-Erzählens schließlich veranschaulicht.

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2. Stand der Forschung – Kindliches Erzählen, Narratologie und Kinder- und Jugendliteraturforschung 18

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18 2. Stand der Forschung – Kindliches Erzählen, Narratologie und Kinder- und Jugendliteraturforschung Die Darstellung kindlicher Perspektiven in der Literatur steht im Zentrum ver- schiedener Publikationen (z. B. Brettschneider 1982, Kuhn 1982, Haferkamp 1985, Buschendorf 1988, Heiss Trombetta 1993, Goodenough/Heberle/Sokoloff 1994, Rossbach 1999). Während jedoch zumeist sozial-, kultur- und motiv- geschichtliche Aspekte untersucht werden, die Rollen, die kindliche Figuren spielen können (z. B. ‚göttliches Kind‘, ‚Opfer‘, ‚Täter‘), betrachtet werden oder insbesondere ihr Einsatz als Mittel zur Gesellschaftskritik hervorgehoben wird, wird das Erzählen aus Kindersicht nur in sehr wenigen Arbeiten unter primär narratologischer Fragestellung untersucht (Baldwin 1990, Spielmann 2002). In diesen wenigen Publikationen werden in erster Linie allgemeinliterarische und allenfalls am Rande kinderliterarische Werke analysiert. Damit werden je- doch keinesfalls die realen Verhältnisse widergespiegelt, im Gegenteil: Während in der Allgemeinliteratur insgesamt nur sehr selten das Geschehen in Reinform aus der Perspektive eines Kindes vermittelt wird, ist die Zahl der kindlichen Reflektor- und Erzählerfiguren in der Kinderliteratur nicht nur wesentlich höher, im modernen Kinderroman stellen sie mittlerweile sogar den erzähltechnischen ‚Normalfall‘ dar. Da jedoch narratologische Fragestellungen in der Kinder- und Jugendliteraturforschung bis zur Gegenwart eine insgesamt allenfalls unter- geordnete Rolle spielen, verwundert es nicht, dass weder der Einsatz der Kinderperspektive noch im Speziellen das Phänomen des kindlichen Ich- Erzählers bislang von dieser Seite aus in einer eigenen Untersuchung betrachtet wurde. Dennoch lassen sich Berührungspunkte zwischen Narratologie und Kin- der- und Jugendliteraturforschung sowie einzelne Verweise auf die Gestaltung der...

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