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Über Stil in der französischen Sprache und in Texten

Sprachwissenschaftliche Bilanz mit integrativem Ausblick

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Volker Fuchs

In diesem Überblick werden grundlegende, aber dennoch über die Zeiten sehr unterschiedliche explizit oder implizit sprachwissenschaftliche Herangehensweisen an die Kategorie «Stil» nachvollziehbar. Insofern kann der Band auch als Einführung in die Stilproblematik gelesen werden. In 22 Thesen werden zudem elementare Bedingungen für das Dasein von Stil und für eine definitorische Annäherung formuliert. Bei aller theoretischen Argumentation zwecks Bilanzierung geht es zeitweise auch ganz praktisch zu: Die zur Stilbeobachtung anstehende Sprache ist das Französische. In verschiedenen Kapiteln werden dabei potentielle Stilmittel beschrieben und Probleme bei Stilanalysen dargestellt. An etwa 20 Texten bzw. Textfragmenten (darunter auch Sachtexten) und zahlreichen Einzelbeispielen werden mittels Stilanalysen sowohl Grundannahmen und Analysemethoden als auch die entdeckten Stilmittel selbst veranschaulicht.

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5 Stil und Literatur 201

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201 Ansammlung von preziösen Metaphern mit Bildspendern aus der Kriminal- sprache, dem Kriegswesen, der Fechtkunst, der Justiz. (9) Mascarilles Benennung der kotigen Straßen von Paris und die preziöse Entsprechung bei Madelon bilden einen gelungenen Stilbruch, ebenfalls chaise mit retranchement merveilleux. (10) Mascarille erkundigte sich nach der „Salonatmosphäre“ im Hause (Vous recevez beaucoup de visites? Quel bel esprit est des vôtres?), womit das gutbürgerliche Ambiente und der unrealistische Geltungsanspruch der Preziösen stark kontrastiert werden. Ein Schlüsselbegriff à la mode ist der bel esprit, den man sowohl personifiziert (als „Schöngeist“) als auch als geistigen Einfalls- reichtum (natürlich mit Blick auf das höfische oder preziös-literarische Ideal) lesen kann. Dem Vorstellungsvermögen der Zuhörer/Leser sind hier keine Grenzen gesetzt: eine Art Lever, bei dem schon am frühen Morgen bei Mascarille solche Schöngeister versammelt sind, oder die Kundgabe, dass er selbst schon morgens mit den schönsten Ideen aufwacht. Das „halbe Dutzend Schöngeister“, das die beiden natürlich vermissen (nous ne sommes pas encore connues), geht bei ihm ein und aus, was ihn in ihren Augen nur aufwerten kann.222 5. Stil und Literatur Literarische Texte unterscheiden sich von den nicht-literarischen Texten (sie werden, mit Ausnahme der Texte der sog. Alltagskommunikation, oft auch „Sachtexte“ genannt) durch eine Reihe von spezifischen Eigenschaften. Dazu zählen u. a. die besondere Sprachform (Sprache als Material für die künstlerisch-ästhetische Umsetzung einer Idee bzw. eines Stoffes = Poetizität, Expressivität und Genreabhängigkeit)...

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