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Die deutsche Minderheitenpresse in Polen 1918-1939 und ihr Polen- und Judenbild

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Beata Lakeberg

Die deutsche Minderheit im Polen der Zwischenkriegszeit, ihr Selbstverständnis und ihr Verhältnis zu den Polen und Juden ist das Hauptthema dieses Buches. Mit dem Instrumentarium der historischen Stereotypenforschung untersucht die Autorin das Polen- und das Judenbild sowie das sich daraus ergebende deutsche Selbstbild in der deutschen Minderheitenpresse in Polen aus den Jahren 1918-1939. Die Untersuchung soll einen Beitrag dazu leisten, auf die zentrale Frage der Arbeit eine Antwort zu geben: War die deutsche Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik eine homogene Gruppe? Dieser methodische Ansatz führt nicht nur dazu, die Geschichte der deutschen Minderheit oder der deutsch-polnischen und deutsch-jüdischen Beziehungen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, sondern gewinnt auch neue Erkenntnisse im Bereich der Stereotypentheorie und der Funktionsweise von Stereotypen innerhalb einer Gruppe.

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Einleitung 13

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Einleitung »›… Du fährst nach Indien.‹ Zuallererst war ich wie betäubt. Dann verspürte ich Panik: Ich wusste nichts über Indien. Fieberhaft suchte ich in meinem Kopf nach irgendwelchen Assoziationen, Bildern, Namen. Ich fand keine: Über In- dien wusste ich rein gar nichts.« (Ryszard Kapuściński, Meine Reisen mit Herodot, Frankfurt am Main 2005, S. 16–17, aus dem Polnischen von Martin Pollack (Die Andere Bibliothek 252)). »Wogegen wir in Begriff en leben, die wir meistens nicht überprüfen können; das Radio überzeugt mich von hundert Dingen, die ich nie sehen werde, oder wenn ich sie dann einmal sehe, kann ich sie nicht mehr sehen, weil ich ja schon eine Überzeugung habe, das heißt: eine Anschauung ohne geschaut zu haben.« (Max Frisch, Tagebuch 1946–1949, Frankfurt am Main 1984, S. 193 (Bibliothek Suhr- kamp 261)). 1. Zum Gegenstand der Untersuchung Die Entstehung des unabhängigen polnischen Staates 1918 bedeutete für jeden, der auf seinem Gebiet lebte, Veränderungen, so auch für die deutsche Bevölkerung. Es bildete sich der neue Staat, dessen Bürger sie wurden. Neu waren sowohl die Staats- form als auch die politischen oder sozialen Verhältnisse, denn in manchen Fällen be- deutete die Entstehung Polens für die deutsche Bevölkerung auch eine Veränderung ihres sozialen Status. Für die Deutschen, die zu polnischen Staatsbürgern wurden, war häufi g weder die polnische noch die jüdische Bevölkerung fremd oder unbekannt, oft hatten sie schon l...

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