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Atomkraft als Risiko

Analysen und Konsequenzen nach Tschernobyl

Edited By Lutz Mez, Lars Gerhold and Gerhard de Haan

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit am 26. April 1986 der vierte Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl völlig zerstört und damit die bis heute schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie ausgelöst wurde. Aber die verheerenden Auswirkungen des Unfalls und insbesondere die Risiken der atomaren Großtechnologie und deren Folgen für Mensch und Natur geraten zunehmend in Vergessenheit. Atomkraft als Risiko stellt eine interdisziplinäre Untersuchung der Katastrophe aus heutiger Perspektive vor. Nach einer Einführung in den Atomkonflikt werden Fragen thematisiert, die in der aktuellen Diskussion kaum präsent sind. Welche Wirkungen hatte der Super-GAU auf die Ökosysteme und die Nahrungskette? Kann eine Katastrophe wie die von Tschernobyl für die Zukunft ausgeschlossen werden? Wie haben sich seit der Reaktorkatastrophe die Einstellungen zur Kernenergie verändert? Gibt es eine Krise der kerntechnischen Fachkompetenz?

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Lutz Mez, Lars Gerhold, Gerhard de Haan: Die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl – eine interdisziplinäre Betrachtung 7

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7Die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl – eine interdisziplinäre Betrachtung Lutz Mez, Lars Gerhold, Gerhard de Haan Fast ein Vierteljahrhundert ist seit der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 vergangen, der größten nuklearen Katastrophe der zivilen Atomkraftnutzung. Der Super-Gau selbst ist – außer zu den Jubiläen der Katastrophe – weitestgehend aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. Die Havarie des Reaktors in Tschernobyl führte jedoch zu einem Echoeffekt. Denn auch noch lange, nachdem das Ereignis längst aus den Medien verschwunden war, zeigt sich die allgemeine Beunruhigung über den Zustand der Umwelt. Heute ist die überwiegende Mehrheit der Experten daher einer Meinung: die Energiezukunft gehört den erneuerbaren Energiequellen – Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme, Biomasse. Das erfordert eine fundamentale Energiewende hin zu einem Energiesystem, das nicht aus großen zentralen Kraftwerken, sondern aus vielen dezentralen Kleinanlagen besteht. Diese Energiewende braucht jedoch eine Übergangszeit, in der fossile Energien und in einigen wenigen Ländern auch Atomkraft noch eine Rolle spielen. Als vermeintlich billige Option wird die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken vorgeschlagen. Dies wird nicht nur mit wirtschaftlichen Überlegungen – für die Betreiber liefen die Anlagen am „goldenen Ende“ und für den Fiskus wären zusätzliche Einnahmen möglich – begründet. Atomkraftwerke werden auch als Wunderwaffe gegen den Klimawandel angepriesen, da sie angeblich kein CO2 ausstoßen. Allerdings sind die indirekten CO2-Emissionen der Atomkraftwerke, die durch Uranförderung, Anreicherung, Brennelementeherstellung, Kraftwerksbau und -betrieb, Zwischenlagerung usw. entstehen, bereits heute höher als die der meisten Anlagen, die mit...

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