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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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ANTJE TALEA MEIER (Münster) - Eine Kedelkloppersprook in Bremerhaven? - 209

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Antje Talea Meier (Münster) Eine Kedelkloppersprook in Bremerhaven? 1. Einleitung Die Not macht erfinderisch, heißt es im Volksmund. Unter ohrenbetäubenden Bedingungen arbeiteten zur Zeit der Dampfschifffahrt einige Arbeiter in den Hamburger Häfen, sei es als Nieter, Former oder als Kesselklopfer. Meist han- delte es sich um Leiharbeiter, Zugezogene aus dem Umland, die von Einheimi- schen ausgegrenzt wurden und monatelang nur untereinander Kontakt hatten. Wer in den Werkhallen oder Kesseln wenigstens einfache Sätze mit seinen Leidensgenossen austauschen wollte, musste sich wider den Lärm etwas einfal- len lassen. Auch in anderen norddeutschen Städten findet sich eine vergleichba- re Situation unter den damaligen Hafenarbeitern, etwa in Bremerhaven, das erst mit der Dampfschifffahrt gewachsen ist und nicht zuletzt mit dem Auswande- rerhafen eine wirtschaftliche Blütezeit erreichte. Es fragt sich angesichts dieser Umstände, ob das Phänomen der Kedelkloppersprook wirklich ein Unikum Hamburgs ist. Die Kedelkloppersprook ist die niederdeutsche Bezeichnung für Kesselklop- fersprache1 und bezeichnet die Sprache jener Hafenarbeiter Hamburgs, die von der Mitte des 19. Jahrhunderts an bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Kesseln der Dampfschiffe Kalkablagerungen abschlugen2. Hauptauslöser für eine den Kesselklopfern eigene Sprachform war ursprüng- lich das Arbeiten unter extremen kommunikativen Bedingungen3. In den Kes- seln der Dampfschiffe erzeugte die Entfernung des Kesselsteins eine enorme Lautstärke. Zum Zweck der besseren Verständigung entstand zunächst nur unter den Kesselklopfern eine kodifizierte Sprache4, die sich später über das Hafenge- biet Hamburgs hinaus zu einer...

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