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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Edited By Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Mathias Maluck: Überlegungen zu rechtsextremer und völkischer Ideologie in der Living History 141

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Überlegungen zu rechtsextremer und völkischer Ideologie in der Living History Matthias Maluck Einleitung Mit einem Schlag wurde dieses Jahr die Reenactmentgruppe Ulfhednar und mit ihr die gesamte Szene der sog. Living History auch über Fachkreise hinaus be- kannt, als ein Mitglied der Gruppe bei einer Veranstaltung im April im Rahmen der Paderborner Ausstellung „Eine Welt in Bewegung“ eine Tätowierung mit dem SS-Leitspruch „Meine Ehre ist Treue“ entblößte. Die Gruppe war offenbar zuvor schon Gegenstand einiger Diskussionen wegen ihrer häufigen, als Rekon- struktion begründeten Darstellungen von Swastiken und Sonnensymbolen sowie ihrer Nähe zu neuheidnischen, dem rechtsextremen Spektrum nahe stehenden Musikgruppen (MÖLDERS & HOPPADIETZ 2007). Diese neue Begebenheit entfachte nun eine heftige Diskussion um den Um- gang mit Living History-Gruppen im musealen Kontext und deren Umgang mit germanisch-völkischer Ideologie. Die Kritik an der gutgläubigen Nutzung von Darstellergruppen durch Museen, insbesondere bezüglich deren Geschichtsbil- des, wurde mit der sog. Mannheimer Erklärung durch Albrecht JOCKENHÖVEL (2008) von der Universität Münster fortgeführt. Sie erreichte schließlich einen Höhepunkt in der Podiumsdiskussion des Museums im Marstall (Paderborn) zum Thema „Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda? - Germa- nendarstellung zwischen experimenteller Geschichtsforschung und völkischem Gedankengut“1, die eine Reaktion des Museums auf den Vorfall im April war. Zeitungs- und Internetartikel sowie eine intensive Diskussion auf dem Inter- net-Szeneforum „tempus vivit“ folgten (TEMPUS VIVIT 2008; CANTZEN 2008; HAMMERSCHMITT 2008; KAISER 2008; SPEIT & SELDERS 2008; SCHWARZEN- BERGER 2008.). Die Frage nach der Verbindung neuheidnischer...

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