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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Edited By Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Joachim Schween: „Nur Deutsche hatten die Lure“ 155

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„Nur Deutsche hatten die Lure“ – Zum völkischen und nationalsozialistischen Umgang mit einem bronzezeitlichen Musikinstrument Joachim Schween Wenn ein Realschulbuch für den Geschichtsunterricht niedersächsischer fünfter und sechster Klassen1 des Jahres 2004 die Lure, ein bronzezeitliches Blasinstru- ment des südwestlichen vorwiegend skandinavischen Ostseeraumes, nicht auf den Seiten über die Bronzezeit sondern im Kapitel „Germanische Religion“ ne- ben einem Text der Edda und einer Abbildung des Pyrmonter Brunnenfundes behandelt, sollte dies nicht nur unter Archäologen ein gewisses Unbehagen aus- lösen. Drängt sich doch der Verdacht auf, dass die Lure noch heute in der Vor- stellung von Schulbuchmachern mit dem ethnischen Attribut „germanisch“ un- trennbar verbunden ist. Die korrekte zeitliche Einordnung des Instruments dage- gen scheint von untergeordneter Bedeutung zu sein. Und selbst, falls den Schü- lern im Unterricht das erheblich höhere Alter der Lure noch vermittelt würde, bliebe doch der Eindruck bestehen, die Luren seien germanisch. Um die Ursa- chen dieser Verknüpfung näher zu beleuchten, müssen wir in die ersten Jahr- zehnte des 20. Jahrhunderts zurückgehen2. Es war der Philologe und Musikforscher Oskar FLEISCHER (1856-1933), der vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland durch seine Experimente mit der Lure die Aufmerksamkeit auf dieses Instrument lenkte. FLEISCHER, erster Direktor der 1888 in Berlin gegründeten Sammlung alter Musikinstrumente (heute: Musikin- strumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung), hielt im Au- gust 1911 vor der in Koblenz tagenden und von dem Philologen und Prä- historiker Gustaf Kossinna (1858-1931) geführten...

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