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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Zusammenfassung / Abstracts 215

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Zusamenfassung / Abstracts Markus C. BLAICH Rezeption der Grabungen in der Pfalz Werla Zusammenfassung: Während der Vorbereitung der Grabungen auf der Pfalz Werla im Jahre 1939 entstand zwischen dem durch die Werla-Kommission zum Grabungsleiter ernannten Hermann Schroller (1900–1959) und dem Architekten Martin Viktor Rudolph (1908) ein offener Streit wegen der zukünftigen Form der Grabungsleitung. Unabhängig von dieser fachlichen Auseinandersetzung gilt, dass beide Wissenschaftler stark beeinflusst waren durch die Absicht, den Zustand der Pfalz Werla zu Zeiten von König Heinrich I. zu erfassen und zu rekonstruieren. Die Überhöhung der Person Heinrichs I. als Be- gründer des „Ersten Reiches“ fand bei beiden ihren gedanklichen Niederschlag. Hier zeigt sich, wie sehr beide Wissenschaftler in der nationalistischen Gedankenwelt des 19./frühen 20. Jahrhunderts verhaftet waren. Als Konsequenz daraus entstanden Fehler bei der Interpre- tation verschiedener wichtiger Befunde, die noch lange Zeit nach 1945 das Bild der Pfalzanla- ge prägten. Schlüsselworte: Niedersachsen, Ottonenzeit, Pfalz Werla, Archäologie im Dritten Reich OT: The Reception of Excavations at the Palace of Werla Abstract: During preparations for the excavations at the Palace of Werla in the year 1939 an open argument about the future form of the excavation management arose between Hermann Schroller (1900–1959), appointed director of excavations by the Werla-Commission and the architect Martin Viktor Rudolph (1908). Independent of the academically grounded argumentation it must be asserted, that both scholars were strongly influenced by the proposition to record the state of the Palace buildings at Werla during...

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