Show Less

Gesundheit von Migranten

Edited By Ulrich Thamer and Michael Wüstenbecker

Neben «Bevölkerungsschrumpfung» und «demografischer Alterung» ist die «Internationalisierung der Bevölkerung» ein weiterer Megatrend, der den demografischen Wandel ausmacht. Ein Trend, der hierzulande – zumindest in den zurückliegenden Jahren – bemerkenswert wenig Beachtung gefunden hat. Vor allem die Zahl älterer Menschen mit Migrationshintergrund wächst dynamisch. Damit steigt deren quantitative Bedeutung im medizinischen Versorgungsgeschehen an. Interkulturelle Kompetenzen werden zur wichtigen Schlüsselgröße, um Patienten aus unterschiedlichen Herkunftsländern gleichermaßen gut versorgen zu können. Die Beiträge dieses Sammelbandes stellen gesundheits- bzw. versorgungsbezogene Implikationen einer sich internationalisierenden Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven dar. Neben zahlreichen Ärzten kommen u. a. Gesundheitswissenschaftler, Ökonomen und Soziologen zu Wort.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

II. Versorgerperspektiven 17

Extract

II. Versorgerperspektiven Ali Kemal Gün Interkulturelle therapeutische Kompetenz bei der Behandlung von Migranten1 Vorbemerkung Die Gesundheitsversorgung der Migranten muss im Zusammenhang mit multip- len psychosozialen Faktoren betrachtet werden. Denn die psychosoziale Situa- tion und Versorgungsprobleme tragen wesentlich dazu bei, dass bei Migranten größere Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiken vorhanden sind als bei der deut- schen Vergleichspopulation (vgl. Collatz, 1995, S. 31). Um so wichtiger ist es, dass die Gesundheitsdienste sich intensiver als bisher mit der Gesundheitssitua- tion und Gesundheitsversorgung von Migranten auseinander setzen und sich auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe hin umstrukturieren: „Unsere Strukturen im Gesundheitswesen sind, sowohl auf der Seite der Leis- tungserbringer als auch auf der Seite der Krankenkassen, zu wenig auf die spezi- fischen Bedürfnisse von Zuwanderern ausgerichtet“ (Jordan, 2000, S. 22). Dies gilt leider auch für die psychotherapeutische Versorgung der Migranten. Im Zuge der allgemeinen Globalisierung und der multiethnischen demografischen Entwicklung vollzieht sich in der Europäischen Union, somit auch in Deutsch- land, ein gesellschaftlicher Wandel. Die Philosophie der Europäischen Union unterstützt das Zusammenwachsen multiethnischer Gruppen. Die Theorien und Methoden der Psychotherapie können hiervon nicht unberührt bleiben. Notge- drungen müssen sie sich an diese Entwicklung anpassen. Die psychotherapeuti- schen Methoden, die sich seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert im christ- lich-jüdischen Zentraleuropa entwickelten, sind den neuen Anforderungen der Gesellschaft mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Ethnien und Sprachen nicht mehr gewachsen. Die für den westlichen Mittelstand entwickelten Thera- pien sind nicht ohne Weiteres auf andere Kulturen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.