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Ein neues Zuhause?

Eine ethnographische Studie in einem Altenpflegeheim

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Wolfgang Hahn

Kann ein Altenpflegeheim ein neues Zuhause werden? Dieser Frage geht diese Mikrostudie, eine empirische Ethnographie der eigenen Kultur, über mehrere Jahre nach. Gegensätzliche Kriterien, die kaum miteinander vereinbar sind, treffen zusammen: Der caritative Gedanke, den alten Menschen zu helfen und die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte durch die Ökonomisierung des Hilfs- und Pflegemarktes. Der Autor fungiert in einer Doppelrolle. Er ist als Sozialarbeiter vor Ort tätig und betreut die alten Menschen in sozialen und kulturellen Fragen. Als Ethnologe beschreibt er das Leben im Heim aus der Sicht der Personen, die dort wohnen und arbeiten. Neben diesem Blickwinkel reflektiert er sein persönliches Handeln und betrachtet zusätzlich das Geschehen im Haus aus einer distanzierten Forscherperspektive.

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IV Einzug und Leben 81

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81 IV Einzug und Leben 0 Persönlicher Eindruck der Heime und eigene Kulturschockerfahrungen Es ist mir wichtig, meine persönlichen Eindrücke in den beiden Altenpflegehei- men wie auch meine Kulturschockerfahrungen zu beschreiben. Hierbei sehe ich mich einerseits als Ethnologe und Sozialarbeiter, der über entsprechende Unter- suchungen schreibt, andererseits als Person, die direkt in die Geschehnisse invol- viert ist. Wenn ein deutscher Ethnologe in Afrika eine Feldforschung, beziehungs- weise ein afrikanischer Ethnologe in Deutschland eine Studie durchführt, wird es sicher anfangs zu Irritationen kommen. Das Fremdheitsgefühl wird gege- benenfalls in Neugier und/ oder Flucht umschlagen. Diese Fremdheitsgefühle brauchen aber nicht nur dann aufzutreten, wenn man ein anderes Land oder einen fremden Kontinent betritt, sie können ebenfalls vorhanden sein, wenn man – von vielen sicher schon erlebt – als Patient in ein Krankenhaus gehen muss. Vergleichbare Institutionen können das Altenpflegeheim, die Kaserne, die Schule und die Universität mit ihren eigenen Regeln und Wertvorstellungen sein. Die ethnographische Feldforschung, die ich im Altenpflegeheim durchführte, war die der teilnehmenden Beobachtung. Durch meine professionelle Arbeit als Sozialarbeiter war ich in den Alltag der Bewohnerinnen involviert, gleichzeitig versuchte ich, meinen Blick als Außenstehender zu schärfen. Mein Vorhaben, eine objektive Aufzeichnung zu erstellen, war durch den Einbezug in das Gesamtge- schehen sehr schwierig. Als Sozialarbeiter und Ethnologe in einer Person war ich gleichzeitig Objekt und Subjekt, wurde beobachtet und beobachtete selbst. Meine persönliche Fremderfahrung, die 16-jährige Tätigkeit im Altenpflegeheim, erfor- derte eine laufende Reflexion und Auseinandersetzung...

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