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Die Rolle der Religion im Integrationsprozess

Die deutsche Islamdebatte

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Edited By Bülent Ucar

Dieser Sammelband beschäftigt sich mit der Islamdebatte in der deutschen Öffentlichkeit und mit der Rolle, die die Religion bei der Integration von Muslimen in Deutschland spielt. Während die gegenwärtigen integrationspolitischen Debatten und der interreligiöse Dialog noch von einer Vielzahl von Vorurteilen und Missverständnissen bestimmt werden, enthält dieses Buch eine differenzierte und tiefgreifende Sichtweise auf historische und aktuelle Fragen in Bezug auf die Integration des Islams in die Gesellschaften des Westens. Dabei kommen sowohl Muslime als auch Nichtmuslime zu Wort und geben neue Anstöße für einen vielschichtigen wissenschaftlichen Austausch

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II. Islamkritik

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Islamkritik zwischen Orientalismus, Postkolonialismus und Postnationalsozialismus Von Iman Attia Diskurse, die „den Islam“ als übermächtig, unzivilisiert und „mit unserer Kul- tur“ unvereinbar präsentieren, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – und zwar nicht nur in den für ihre Schlichtheit bekannten Publikationsorganen und nicht nur in rechtsextremen und rechtskonservativen Kreisen. Vielmehr gehören ein- schlägige Islamdiskurse zum Allgemeinwissen und lassen sich in der ganzen Bandbreite politischer Positionierungen und sozialer Zuordnungen finden. Die- sem „Wissen“ zufolge werde „der Westen“ durch die zunehmende Islamisierung von außen bedroht und durch die demografische Entwicklung von innen zer- setzt. Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Kriminalität, Drogenhandel, Ar- beitslosigkeit, Bildungsmisere, Desintegration und anderes werden unter der Be- zeichnung „Islamkritik“ nicht als gesellschaftliche Probleme thematisiert, son- dern diskursiv mit „dem Islam“ verklammert. Argumentativ wird „der Islam“ gleichzeitig als rückständig und expansiv präsentiert. Das legitimiert „westliche“ Interventionen, die als Erziehungsmaßnahme und Entwicklungshilfe für Musli- me oder als Selbstverteidigung und Schutz der eigenen Gesellschaft gerechtfer- tigt werden. Gerne werden in diesem Zusammenhang auch kritische Äußerungen von Betroffenen zitiert, allerdings nur, solange sie in einer Weise Kritik am Islam üben, welche die westliche Hegemonie stützt. Hegemoniale Islamkritik in „westlicher“ Perspektive nimmt aber „die eigene“ Religion von der Kritik aus und präsentiert sie als gelungenes Vorbild für Modernisierung und Säkularisie- rung. In die europäische Aufklärung eingebettet, werden in diesem Diskurs- strang Religions- und Gesellschaftskritik als westliche Spezifika vereinnahmt. Während Aufklärung jedoch Kritik an eigenen gesellschaftlichen Strukturen und...

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