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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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4 Der Epiker: Lucan 59

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59 4 Der Epiker: Lucan 4.1 Lucan und die victa causa Vergil und Horaz hatten Cato am Rande ihrer lyrischen Werke erwähnt, lag ihr Hauptaugenmerk doch auf der Größe Roms, die ihren Höhepunkt mit dem neuen Imperator erreichen sollte. Lucan hingegen konnte nicht Augustus zum Vorbild nehmen, sondern hatte, als er sein bellum civile schrieb, Nero als Endergebnis eines solchen vor Augen. Das Verhältnis des Dichters zum Kaiser wird durch das große Zerwürfnis überschattet, das wohl kurz nach den laudes Neronis Lu- cans während der Festspiele im Jahre 60 und seiner Erlangung der Augurenwür- de ein Jahr später stattgefunden haben muss. Es war nicht nur möglicher Neid seitens des Kaisers, sondern dessen zunehmend tyrannischer Charakter, der den jungen Lucan den Idealen der Republik näherbrachte. Einzelnes, eindeutig als Ablenkung eingestreutes Herrscherlob kann nicht über den grundlegenden Cha- rakter von Lucans Epos hinwegtäuschen, das sich gänzlich vom Prinzipat ab- und der nicht allzu weit zurückliegenden Vergangenheit zuwendet. Die Veröffentlichung der ersten drei Bücher der Pharsalia wird etwa für die Jahre 61-63 vermutet168. Schon in ihnen spiegelt sich, wie noch gezeigt werden wird, der Grundtenor des unvollendeten Werkes wieder, das vor der Fertigstel- lung des 10. Buches so abrupt abgebrochen wurde. Der vom Herrscher befohle- ne Selbstmord Lucans brachte ihn nah heran an das Schicksal seines stoischen Helden, den er im II. Buch einführt und der das IX. dominiert. Der Großteil der Forschung geht...

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