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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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9 Die Dramatiker der Neuzei 128

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128 9 Die Dramatiker der Neuzeit 9.1 Shakespeare 1579 erschien Thomas North‘ Werk „The Lives of the noble Grecians and Ro- manes“, die erste Plutarch-Übersetzung für das englischsprachige Publikum. Sie basierte auf der 20 Jahre zuvor von Jacques Amyot angefertigten französischen Fassung und war Vorlage für den Julius Caesar Shakespeares357. Dessen Ver- wendung Plutarchs sollte in zwei späteren Dramen - „Antony and Cleopatra” und „Coriolanus” - sogar noch höher ausfallen358. Cato Uticensis kommt in der ersten römischen Tragödie Shakespeares nicht vor und wird nur über Querver- weise erwähnt. Zu Beginn des letzten Akts spricht Brutus: „Even by the rule of that philosophy / By which I did blame Cato for the death / Which he did give himself, I know not how, / But I do find it cowardly and vile, / For fear of what might fall, so to prevent / The time of life: arming myself with patience”. Der Stoiker in ihm sieht Catos Ende als Flucht vor dem drohenden Schicksal359. Shakespeare verurteilt Cato also nicht anhand christlicher Dogmen, sondern durch den Mund eines Stoikers, der nicht den Selbstmord an sich, sondern des- sen Beweggründe kritisiert. Gleich darauf allerdings spricht Brutus zu Cassius: „think not […] / That ever Brutus will go bound to Rome; / He bears too great a mind.“ Er unterscheidet sein eigenes Schicksal von dem Catos und dies durch den offensichtlichsten Punkt: Er führte sein Schwert nicht nur gegen den Diktator bei dessen Ermor-...

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