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Von der Freizeitplanung zur Kulturpolitik

Eine Bilanzierung von Gewinnen und Verlusten

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Dieter Kramer

Alle Parteien versprachen in den 1960er Jahren großzügige Programme zur Freizeitplanung. Die Freizeitpädagogik wollte die Menschen vorbereiten auf die Freizeitgesellschaft, in der die Arbeit beiläufig erledigt wird und freie Zeit dominiert. Dann aber zehren Krisen, Konsumwettbewerb, Globalisierung und Arbeitslosigkeit die Produktivitätsgewinne auf. Freizeitpolitik verschwindet, die für alle nutzbare Infrastruktur für Freizeit und Erholung wird zugunsten einer Kulturpolitik für die alten und neuen Bildungsschichten vernachlässigt. Verloren sind die demokratischen Dimensionen der Freizeitpolitik. Der allzu kontur- und inhaltlose Freizeitbegriff kann nicht wieder belebt werden. Interessanter ist daher die Beschäftigung mit einer neuen sozialkulturellen Strukturpolitik, bei der die Kulturpolitik sich als Teil einer demokratischen Gesellschaftspolitik neu erfindet.

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4. Die Deutsche Gesellschaft für Freizeit 45

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4. Die Deutsche Gesellschaft für Freizeit 4.1 Das Programm einer affirmierenden Freizeitpädagogik Auf zwei Ebenen soll die Dynamik der programmatischen Entwicklung der Freizeit-Gesellschaft verfolgt werden: Derjenigen der Freizeit-Pädagogik und derjenigen der Freizeit-Politik. Holzschnittartig lassen sich für die Freizeitpäda- gogik und Freizeitpolitik, freilich mit fließenden Grenzen, zwei Linien unter- scheiden – eine affirmative eher konservative, und eine reformorientierte eher linke. Beide sind sie genährt von den Illusionen der postmaterialistischen Frei- zeit-Gesellschaft. Die Deutsche Gesellschaft für Freizeit (DGF) wird hier unter Freizeitpädagogik aufgeführt, weil sie eine Nichtregierungsorganisation ist, die zwar auf Freizeitpolitik zielt, aber im Gegensatz zu der späteren Freizeitpolitik der Gebietskörperschaften (vor allem des Bundes) nur eine Art Lobby und Im- pulsgeber für Freizeitthemen sein will. 1956 wollen Mitglieder der Deutschen Olympischen Gesellschaft und des Deutschen Sportbundes ein Kuratorium für Freizeit bilden, wie es in einem Falt- blatt zur Selbstdarstellung der DGF um 1974 heißt. Unter Mitwirkung von Karl Diem, der wohl schon in den 1930er Jahren an der Veranstaltung von Freizeit- kongressen beteiligt war (s. Kap. 2.3), wird 1964 von beiden Organisationen ei- ne Arbeitsgemeinschaft für Freizeit und Erholung gegründet, der sich im glei- chen Jahr sieben weitere Organisationen (Deutscher Gewerkschaftsbund, Deut- scher Städtetag u. a.) anschließen. Erster Vorsitzender ist Dr. Georg von Opel (1912-1971), Mitbegründer und Präsident der Deutschen Olympischen Gesell- schaft. 1970 wird Dr. Franz Meyers (CDU) zum Vorsitzenden gewählt (s. „Stichwort Freizeit“ 1978: 7f.). Meyers ist...

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