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Kindermord und «Kinderfachabteilungen» im Nationalsozialismus

Gedenken und Forschung

Edited By Lutz Kaelber and Raimond Reiter

Das Thema «Kinderfachabteilungen» wird in seinen vielseitigen Dimensionen dargestellt. Dabei handelte es sich im Zweiten Weltkrieg um etwa 30 Tötungsstätten in der Psychiatrie und anderen Heileinrichtungen im «Großdeutschen Reich», in denen über 5.000 geistig und körperlich behinderte Kinder umgebracht wurden. Vorgestellt wird die aktuelle Gedenkkultur in diesem Bereich und es werden Fragestellungen der Forschung vorgestellt, die auch für andere Opfergruppen relevant sind. Weiterhin werden Details der NS-Verbrechen in den «Kinderfachabteilungen» dargestellt. Den Herausgebern ist es gelungen, fachkundige Autoren zu den Tötungsstätten in Hamburg, Lüneburg, Stuttgart, Waldniel, Wiesloch und auf dem Eichberg sowie einer Ausstellung zum Thema in Korbach zu gewinnen. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet.

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Opferstatus ohne Nachweis? Über ein Dauerproblem in der Forschung zu Opfern der NS-Psychiatrie (Raimond Reiter) - 193

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Opferstatus ohne Nachweis? Über ein Dauerproblem in der Forschung zu Opfern der NS-Psychiatrie Raimond Reiter 1. Der Anlass: Gedenken an die Opfer der NS-Psychiatrie Die Gedenkkultur auch für Opfer der NS-Psychiatrie ist inzwischen entwickelt und erweitert sich ständig, nicht zuletzt durch die Verlegung von „Stolperstei- nen“ durch den Objektkünstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com. Reiter 2007, 82-91.). So gibt es zum Beispiel in Bremen bereits eine Vielzahl von Er- innerungssteinen für Opfer der „T4“-Aktion. Geht es um Opfer der „Kinder- fachabteilungen“ oder der „wilden“ (dezentralen) Euthanasie, ist der Opferstatus allerdings oft nicht einfach und sicher zu ermitteln.1 Für die Forschung kann es genügen, festzustellen, dass es hinreichend Do- kumente und Indizien gibt, um eine bestimmte Anstalt als Tötungsstätte auszu- weisen und auch um etwas über das Ausmaß der NS-Verbrechen auszusagen. Die Gedenkkultur nicht zuletzt im Zusammenhang mit den „Stolpersteinen“ er- wartet nicht selten deutlich mehr. Hier soll für einzelne Personen eine hinrei- chend tragfähige Aussage gemacht werden: Opfer ja oder nein? Wie war die Bi- ografie des Opfers? Ist der Opferstatus, d.h. die Tötung, nicht eindeutig durch ein historisches Dokument oder eine Täteraussage möglich, bleibt noch, das ver- fügbare Material vergleichend, quellenkritisch und verdichtet einer Bewertung zu unterwerfen. Damit finden sich Forscher und wissenschaftlich in der Ge- denkkultur Tätige mehr oder weniger in der Rolle eines „Gutachters“, der den Angehörigen, einer Gedenkstätte oder Gunter Demnig begründet mitteilen soll, wie der Opferstatus zu beurteilen...

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