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Der Westliche Balkan zwischen Marginalisierung und EU-Integration

Historische, kulturelle und politische Perspektiven

Edited By Julia Kowalski and Tobias Schneider

Unter dem Begriff des Westlichen Balkans werden heute die Länder des ehemaligen Jugoslawiens (Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Kosovo) sowie Albanien zusammengefasst. Trotz der fortschreitenden Annährung dieser Länder an die Europäische Union ist das Wissen über die Region meist nur schwach ausgeprägt, oft dominieren Vorurteile das Bild. Der Sammelband spannt thematisch und zeitlich einen weiten Bogen. Die von anerkannten Experten verfassten Beiträge befassen sich aus historischer, kultureller und politischer Perspektive mit dem Westlichen Balkan und vermitteln so nicht nur ein umfassendes Bild dieser Region, sondern fördern auch das Verständnis für eine der faszinierendsten Gegenden Europas.

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Wolfgang Höpken - Umkämpfte Identitäten. Migration und Identität auf dem Westbalkan 89

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89 Wolfgang Höpken Migration und Identität auf dem Balkan I. Einleitung: Südosteuropa als Migrationsregion Migration, so hat es Klaus Bade in der Einleitung seiner Gesamtschau der Ge- schichte der europäischen Wanderungen seit dem 18. Jahrhundert formuliert, sei ein konstitutiver Teil der „conditio humana“. Immer schon, zu allen Zeiten und in allen Zivilisationen, seien die Menschen räumlich wie sozial mobil ge- wesen. „Den homo migrans gibt es“, so Bade, „seit es den homo sapiens gibt“1. Nichts anderes gilt auch für Südosteuropa. Auch hier ist Wanderung der Nor- malfall gewesen, nicht die Ausnahme; auch Südosteuropa ist, historisch wie in der Gegenwart, ein Raum in der Bewegung2. Alle Wanderungsformen, welche die europäische Geschichte in der Vormoderne wie in der Moderne kennt, fin- den sich zeitgleich, gelegentlich zeitversetzt, auch in Südosteuropa: Ökonomisch bedingte (1) Erwerbswanderungen, seien sie temporärer oder auch dauerhafter Natur, durchziehen beinahe die gesamte neuere und neueste südost- europäische Geschichte. Als (a) Subsistenz-Wanderung, mit der das Überleben gesichert werden musste, kennen wir sie spätestens seit der frühen Neuzeit auf dem Balkan, beispielsweise in Gestalt der Transhumanz oder vom 18. bis in das frühe 20. Jahrhundert des saisonalen „pečalbarstvo“ und des „Gurbet“3. Den Zwängen elementarer Existenznotwendigkeit geschuldet war auch ein Teil der- jenigen Arbeitswanderungen, die wir im Gefolge der Transformationsprozesse seit den 1990er Jahren haben beobachten können, wie die Abwanderung aus Albanien oder aus Moldova. Auch das, was die Migrationsforschung (b) „Ver-...

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