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Das Basler Konzil

Synodale Praxis zwischen Routine und Revolution

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Stefan Sudmann

Das Basler Konzil (1431-1449) hat sich nicht allein um eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern bemüht, sondern auch die Funktion einer Schiedsinstanz in zahlreichen kirchlichen und weltlichen Streitsachen eingenommen, Ketzer- und Kanonisationsprozesse geführt, dogmatische Entscheidungen gefällt und einen Plenarablaß ausgeschrieben. Damit stellte es bestehende Strukturen und vor allem die päpstliche Verfassung der Kirche in Frage. Diese Arbeit untersucht die in dieser umfassenden Agenda ausschlaggebenden Handlungsmuster, Konzepte und Strukturen, das Verhältnis des Konzils zu Papst, weltlichen Herrschern und Laien, den Geschäftsgang und die konziliare Terminologie.

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5. Bilanz: Das Basler Konzil zwischen Tradition und Innovation 421

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5. Bilanz: Das Basler Konzil zwischen Tradition und Innovation Während also das Kardinalskollegium sich noch bis ins folgende Jahrhundert als Machtfaktor in der Kirche halten kann und das Papsttum nun seinen endgültigen Siegeszug antritt, muß der Konziliarismus als Verfassungsentwurf für die Kirche — trotz gewisser Nachwirkungen in der frühen Neuzeit — nach 1449 für gescheitert erklärt werden. Bestehen bleibt die auctoritas synodi Basiliensis jedoch in theologischen Fragen, die frei sind von konziliaristischen und anti-papalen Implikationen: Die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens wird auch noch in der frühen Neuzeit mit dem Dekret des — 'schismatischen' — Konzils von 1439 untermauert. Die Basler Verur- teilung Favaronis prägt die Erinnerung an den spätmittelalterlichen Theologen mehr als das Verfahren in Rom. Ebenso werden auch noch nach dem Ende des Konzils Basler Reformdekrete — gerade die rigiden über Juden und Konkubinarier — weiterhin (v.a. in den Städten) rezipiert. Damit korrespondiert, daß die auctoritas concilii in den einzelnen Verfahren meist nicht explizit demonstriert wird — vor allem nicht gegen Rom. Gerade in den Glaubensprozessen gegen Agostino Favaroni, Bernardino von Siena und Guillaume Josseaume stellt sich das Basler Konzil bewußt und eindeutig in volle Kontinuität mit Rom. Dementsprechend erscheinen die sonst routiniert agierenden Konzilsväter in den 40er Jahren etwas unsicher, als in Basel Ketzerprozesse ohne kuriale Präliminarien und Vorgaben geführt werden müssen. Diese 'Harmonie' mit Rom kann in Basel sogar auf einer eindeutigen theologie- geschichtlichen Fiktion beruhen: In der Dogmatisierung der Lehre von der Un- befleckten...

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