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Im Schatten eines anderen?

Schiller heute

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Edited By András F. Balogh, Imre Kurdi, Magdolna Orosz and Péter Varga

Am Anfang eines neuen Jahrhunderts feierte man im Jahre 2009 den 250. Geburtstag von Friedrich Schiller. Das wichtigste Anliegen der Konferenz, die aus diesem Anlass am Lehrstuhl für deutschsprachige Literaturen am Germanistischen Institut der Eötvös Loránd Universität (ELTE) Budapest veranstaltet wurde, bestand darin, Schillers Werk (wenn auch nicht seine Person) aus dem Schatten zu holen. Nicht so sehr aus dem Schatten Goethes – was ja ebenso unmöglich wie unnötig ist –, sondern aus dem der Vergessenheit und des Verdachts, ganz und gar museal geworden zu sein. Neu gelesen wurden sowohl die dichterischen als auch die theoretischen Texte Schillers, um zu prüfen, was sie dem Leser hier und heute zu bedeuten vermögen.

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3. Schiller in Südost- und Mitteleuropa

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171 Josip Babić Zur kroatischen Schillerrezeption Die unmittelbare Anregung für die Beschäftigung mit der Schillerrezeption in Kroatien kam nach einem Versuch, die Manifestationen auf der kroatischen lite- rarischen und theatralischen Szene anlässlich des Schiller-Jubiläums 2005 zu re- gistrieren und zu analysieren. Dabei zeigte sich, dass nicht nur keine Jubiläums- feierlichkeiten oder Vorstellungen stattfanden, sondern von allen seinen Werken nur für Die Räuber ein relativ hohes Bekanntheitsgrad festgestellt werden konnte, und zwar aus einem einzigen Grunde: Das Erstlingsdrama Schillers ist nämlich als Pflichtlektüre auf kroatischen Gymnasien und Mittelschulen vorgesehen und deswegen in einer höheren Auflage auf dem Büchermarkt, aber auch relativ oft im Internet präsent. Noch genauer: Die Räuber sind auch weiterhin, neben den Leiden des jungen Werthers, eines der wenigen Werke der deutschen Literatur überhaupt auf der Lektüreliste, die in wenigen Fällen nur noch durch Goethes Faust (nur der erste Teil!) und Kafkas Prozess ergänzt wird. Zwei Jahrhunderte nach dem Tod des Dichters scheint also die kroatische Schillerrezeption nicht nur selektiv, sondern auch ziemlich problematisch zu sein. Die Rezeptionsgeschichte könnte uns vielleicht zeigen, wie es dazu gekommen und wie die Lage vielleicht zu verbessern ist. Wie auch in anderen Randgebieten des deutschsprachigen Raums, war die kroatische Schillerrezeption in ihren Anfängen auf die deutschsprachigen Ver- treter der kulturellen und politischen Elite in diesem Teil der Habsburgischen Monarchie beschränkt (Adel, Bildungsbürgertum) – die zur Lebenszeit des Dichters und auch in den ersten Jahrzehnten...

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