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Al-Ğuwaynīs Position im Disput zwischen Traditionalisten und Rationalisten

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Amir Dziri

Der muslimische Scholastiker Al-Ğuwaynī (gest.1089) lebte und wirkte in der als «formative Phase des Islam» (8.-12. Jahrhundert) bekannten Zeit. Diese wurde geprägt durch eine enorme theologische Dynamik, die zur Herausbildung diverser Denkschulen führte. Diese Arbeit zeichnet diese Entwicklung anhand der Ansätze Al-Ğuwaynīs nach und setzt diese in Bezug zu den Positionen der traditionalistischen und rationalistischen Strömungen. Weiter führt sie in die Grundfragen früh-islamischer Theologie ein, behandelt methodische Aspekte zur Hermeneutik der Offenbarung und vermittelt einen Eindruck islamischer Argumentation und Dialektik.

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III) AL-ǦUWAYNĪS POSITION IM ISLAMISCHEN RECHT 29

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29 III) Al-Ǧuwaynīs Position im Islamischen Recht 1.) Einführung Um ein umfassendes Bild der theologischen Position al-Ǧuwaynīs zu erhalten, ist es unumgänglich, einen ausgewählten Blick auf die allgemeine Entwicklung des islamischen Rechts bis hin zu der Epoche al-Ǧuwaynīs zu werfen, um dar- aufhin dessen besondere Merkmale, in Abgrenzung zu den Konstruktionen der rationalistischen und traditionalistischen Strömungen, herauszufiltern. Die erste Phase des islamischen Rechts nach der Epoche der Rechtgeleiteten Kalifen, welche gemeinhin als „formative Phase“ bezeichnet wird, war voll- kommen un-systematisiert im Sinne einer methodologischen Aufarbeitung und des Herauskristallisierens eines juristischen Rechtskörpers bzw. einer Methodik zur Ermittlung von Rechtsableitungsverfahren.89 Die juristische Autorität in je- ner Phase erfolgte durch die oralen Rechtsverkündigungen der ersten beiden, als salaf 90 bekannten Generationen der Prophetengenossen, da sie chronologisch gesehen dem Propheten am nächsten standen und ihnen aufgrund dessen, nicht nur bloß die reine Überlieferung der Orthopraxie, sondern auch ein besonderes Rechtsverständnis per se zugestanden wurde.91 Die schriftliche Niederlegung der oralen Rechtstradition in einen verfassten Rechts-Codice erfolgte dann allmäh- lich zum Ende des 9. Jh. durch Werke wie Imām Māliks „muwaṭṭa“ und Abū Ḥanīfas „fiqh al-ʾakbar“92. Die endgültige historische Markierung der Durch- setzung und Etablierung einer systematischen islamischen Jurisprudenz wird von den meisten Autoren im Wirken aš-Šāfiʿīs und der Verfassung seines Wer- kes „ar-risāla“ gesehen.93 89 Vgl. KRAWIETZ, Birgit: Hierarchie der Rechtsquellen im tradierten sunnitischen Islam, Berlin 2002, S.46-62....

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