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Mobile Kommunikation im Kontext

Studien zur Nutzung des Mobiltelefons im öffentlichen Raum

Joachim Höflich

Mit dem Mobiltelefon hat sich die Kommunikation im öffentlichen Raum verändert. Es dient dazu, unseren Alltag zu koordinieren und Wartezeiten zu überbrücken. Es bringt uns anderen ein Stück näher, doch zugleich verlieren wir die direkte Umgebung aus dem Auge. Mit seinem Klingeln gehen wir anderen auf die Nerven und setzen uns zugleich unter Stress. Dies sind nur einige Themen, denen sich dieses Buch widmet. Es fasst eine Reihe von Studien, die in den letzten Jahren durchgeführt worden sind, zusammen und stellt eine Zwischenbilanz der Forschung dar. Dabei soll der Leser geradezu auf eine ‘empirische Erkundung’ und ‘Begehung’ mitgenommen werden und so die Forschungen nachvollziehen können.

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Kapitel 7 - Verweilen und Telefonieren - Nischen und andere Privatheitsbezeugungen 117

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Kapitel 7 119 Verweilen und Telefonieren – Nischen und andere Privatheitsbezeugungen Noch einmal auf der Piazza Menschen sind nicht nur unterwegs – sie verweilen auch, sind hier und da sogar dazu gezwungen. Honoré Balzac, für den der Ruhezustand das „Schweigen des Körpers“ (Balzac 2002: 129) darstellt, geht sogar noch weiter, indem er an- merkt, dass ständig in Bewegung zu sein niemandem gezieme „und nur Mütter können das Herumtoben ihrer Kinder ertragen“ (ebd.: 148). Die Stadt ist ein Ort des Flaneurs (vgl. auch Benjamin 2009), der als solcher auch Zeit zum Verwei- len hat. Nicht jede Art des Verweilens ist gleichermaßen sozial akzeptiert – es gibt ein Flanieren, Schlendern, Rasten und Ausruhen, ein Erkunden, ein Warten- müssen, allerdings auch ein Herumlungern. Letzteres verweist auf ein längerfris- tiges untätiges Verweilen an einem Ort respektive darauf, „wenn an ein und der- selben Stelle herumgestanden wird“ (Goffman 2009: 72). Dies wird nicht immer gerne gesehen und führt manchmal zu Irritationen. Goffman (2009: 72) hat dies wie folgt illustriert: „In vielen unserer Straßen, besonders zu gewissen Stunden, kontrolliert die Polizei jeden, der nichts zu tun zu haben scheint, und fordert ihn auf, weiter zu gehen. (In London stell- te ein Gericht neulich fest, dass der Mensch das Recht hat, auf der Straße zu gehen, nicht aber das Recht, auf der Straße herumzustehen). In Chicago kann eine Person in ihrem Kiez in Landstreicherkluft herumlungern, verlässt sie aber diesen Schonbereich, muss sie so aussehen, als beabsichtige...

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