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Der Fall Eluana

Politische und ethische Probleme im Umgang mit Menschen in dauerhafter künstlicher Lebenserhaltung

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Alexander Hevelke

Die normativen Fragen und Probleme um die Aufnahme und Weiterführung von lebenserhaltenden medizinischen Maßnahmen begegnen uns immer wieder. Zu den wohl prominentesten Beispielen zählt der Fall der Eluana Englaro. Im Rahmen dieser Arbeit kommen vor allem drei normative Konzepte zur Anwendung: Es sind Menschenwürde, Autonomie und Lebensrecht/-interesse/-wert. Dabei wird zuerst untersucht, wie die jeweiligen Konzepte im Rahmen der Fragestellung am sinnvollsten zu verstehen sind, um sie dann auf drei exemplarische Fallbereiche von Patienten in dauerhaft künstlicher Lebenserhaltung anzuwenden. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe spezifischer Fragen wie etwa nach der Bindungskraft früherer Entscheidungen oder der Verwendbarkeit des Wertes des Lebens als Gegenpol zum Selbstbestimmungsrecht.

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1. Menschenwürde

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1.1 Was ist Menschenwürde? Die Würde des Menschen ist eines der Konzepte, die zumindest im deutschspra- chigen Raum bei fast allen wichtigeren ethischen Fragen gerne herangezogen wird. Was genau mit dem Begriff der Menschenwürde gemeint wird, ist dabei allerdings nicht ganz klar. Generell stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl, wie mit dem Begriff umzugehen ist. 1.1.1 Menschenwürde als Grundsatzentscheidung und Quelle aller Menschenrechte Die Menschenwürde kann zum einen als politische Grundsatzentscheidung be- trachtet werden: „Den ‘nackten’, seines Rechtsstatus entkleideten oder entkleid- baren Menschen solle es, so die politische Entscheidung, nicht mehr geben.“3 Zu diesem Zweck wird die Menschenwürde als Quelle aller anderen Men- schenrechte eingesetzt, als unantastbares, allen menschlichen Wesen gemeinsa- mes Recht, mit Respekt behandelt zu werden. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das deutsche Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzli- chen und unveräußerlichen Menschenrechten [...]“4 Eine scharfe inhaltliche Definition der Menschenwürde existiert dabei nicht, die Definitionshoheit, ob ein bestimmter Fall die Menschenwürde verletzt oder nicht, liegt im Fall Deutschlands beim Bundesverfassungsgericht. Das Prinzip der Menschenwürde ist damit ein mächtiges Werkzeug in den Händen des Bun- desverfassungsgerichts, welches benutzt werden kann, um Gesetze zu kippen, welche nicht mit anderen spezifischen Normen in Konflikt stehen, aber dennoch vom Gericht als menschenverachtend angesehen wird. 5 Es gibt einiges, was für solche zwar etwas unklare,...

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