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Die Wirkung des offiziellen Diskurses auf die Alltagssprache in Kuba

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Cornelius Griep

Mit Hilfe einer diskursanalytischen Methode wird der offizielle Diskurs in Kuba und seine erhebliche Wirkung auf die Alltagssprache und -kultur untersucht. Ausdrucksmittel der Affinität zum offiziellen Diskurs werden von solchen des Nonkonformismus unterschieden. Bestandteile der Analyse sind alltagstypische Sprechweisen, kognitiv-sprachliche Muster, kulturelle Praktiken und Kommunikationsstrukturen. Das interdisziplinäre Herangehen ermöglicht auch die Aufdeckung soziokultureller Merkmale und Identitätsstrukturen, was zu einem ganzheitlichen Verständnis der kubanischen Idiosynkrasie beiträgt. Deren kulturelle Manifestationen werden in einen Zusammenhang mit der derzeitigen Sprachsituation auf der Insel gestellt. Die Multimediapräsentation auf der beiliegenden CD-ROM enthält die Datenbasis der Analyse, u. a. den Dokumentarfilm Rincón (Käufer der E-Book-Version erhalten die Multimedia-Datei auf Anfrage).

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8. Fazit und Ausblick

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8.1. Die zunehmende Diskrepanz zwischen Alltags- sprache und offiziellem Diskurs Bei Personen mit (physischer) Nähe zu den staatlichen Institutionen sind sowohl starke sprachliche Stereotypisierung als auch den offiziellen Deutungsstrukturen ähnliche individuelle makrostrukturelle Interpretationsschemata erkennbar, wäh- rend bei Personen, die dem offiziellen Diskurs fern stehen, weitaus weniger sprachliche und konzeptuelle Übereinstimmungen mit der offiziellen Ideologie wahrnehmbar sind (vgl. Seite 116ff). Die vom offiziellen Diskurs vermittelten Konzepte (und rhetorischen Muster) stellen vor allem für die jugendliche Gene- ration von Sprechern, die dem offiziellen Diskurs physisch fern steht, keine gül- tige Kategorie der Wahrnehmung mehr dar. Der offizielle Diskurs erreicht diese jungen Leute heutzutage kaum noch, obwohl sie von diesem Diskurs Gebrauch machen, um innerhalb der staatlichen Strukturen zu interagieren (vgl. Seite 118). Bei ihnen sind Ablehnung der Staatsideologie und diskursiver Widerstand gegen den stereotypen offiziellen Diskurs am stärksten wahrnehmbar. Ihr alltagstypi- scher Diskurs fungiert als eine Art Gegensprache zu dem aus ihrer Sichtweise beschränkten offiziellen Zeichensystem, denn er zieht die Legitimität des offi- ziellen Diskurses in Zweifel beziehungsweise verneint diese auf direkte Weise. Auch wird die Ambivalenz zwischen offizieller und Alltagssprache beim vom offiziellen Diskurs vermittelten Bild des Kampfes (vgl. Seite 32ff) deutlich, der im alltäglichen Gebrauch fast ausschließlich mit der Verbesserung der indi- viduellen ökonomischen Situation in Verbindung gebracht wird. Es sind durch- gehend die gleichen individuellen Wahrnehmungen dieses Konzeptes vorhan- den, die auf die materiellen Entbehrungen in einer Gesellschaft anspielen, in der keine mittel- und langfristigen Prognosen mehr möglich sind....

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