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Sprachliche Dynamiken

Das Italienische in Geschichte und Gegenwart

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Edited By Maria Selig and Gerald Bernhard

Die Beiträge dieses Bandes widmen sich aktuellen Themen der italianistischen Linguistik und erproben Konzepte und Methoden, die die Dynamik und Variabilität der italienischen Sprache in Geschichte und Gegenwart sichtbar machen. An sprachhistorischen, syntaktischen, semantischen und varietätenlinguistischen Fragestellungen wird aufgezeigt, dass die Italianistik hinsichtlich ihrer methodischen und theoretischen Grundlagen mehrfach dazu beigetragen hat, reduktionistische und ausschließlich auf die theoretische Homogenisierung bedachte Ansätze aufzusprengen. Mehrsprachige Kommunikationsräume, vielschichtige Varietätengefüge, instabile und durch einen hohen Grad an Allomorphie gekennzeichnete mittelalterliche volgari, Kontaktvarietäten und linguae francae sowie entwicklungsoffene semantisch-syntaktische Paradigmen sind genuine Forschungsgegenstände der Italianistik. Sie erfordern eine dynamische Konzeptualisierung und eine reflektierte Vermittlung zwischen der komplexen Datenlage und der wissenschaftlichen Systematisierung. Der Band kann zeigen, dass der italianistischen Linguistik deshalb vielfach eine Vorreiterrolle bei der Erprobung neuer Konzepte und Methoden in der Sprachwissenschaft zukommt.

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Maria Selig/Gerald Bernhard Einleitung 7

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Einleitung Maria Selig, Gerald Bernhard 1. „Inquietudini“ Für den Italianistentag, der im Jahre 2008 an der Universität Marburg statt- fand, hatten die Veranstalter mit der Fokussierung der „Inquietudini“ ein Rahmenthema gewählt, das für die gesamte Italianistik relevant ist. Es ging um die ‚Unruhe‘ der zeitgenössischen Episteme, einer Episteme, die sich un- ter dem Etikett der Postmoderne abkehrt von dem Gedanken, die Wahrneh- mung und Deutung der Welt in der wissenschaftlichen oder nicht-wissen- schaftlichen (Selbst)Beobachtung sei systemhaft geschlossen und damit ei- nem wenn auch vorübergehenden Stillstand verpflichtet. Verbunden war dieser Gedanke mit dem Hinweis darauf, dass auch die moderne Gesell- schaft von einer permanenten ‚Unruhe‘ geprägt zu sein scheint und Verände- rung, nicht Statik/Stabilität, beständige Innovation, nicht Tradition/Still- stand, Zerstreuung, nicht Konzentration/Langeweile als bevorzugte Merkma- le benennen kann. „Inquietudini“ (äußere und innere Unruhen) können somit auch als schwer zu ermittelnde Tendenzen gesehen werden, die scheinbar unerklärt sind und deren ‚Hin- und Her‘-Variieren unvorhersehbar ist. In, zu einem großen Teil medial mitbestimmten, stark individualisierten Lebenswelten, können Auswirkungen von „Inquietudini“ sowohl psychologisch individuell als auch psychologisch-sozial sein: Es kommen somit Wahrnehmungen der Außenwelt, mit einem, vielleicht etwas sorgenvollerem Blick als gewöhnlich, auf Umwelt, Gesellschaft und Zusammenleben ins Spiel, also Impulse von außen, welche eine scheinbar nicht erklärbare Dynamisierung von sprachli- chen Handlungsmustern und Realisationen hervorbringen können. Gleich- zeitig ist beobachtbar, dass in den wahrnehmenden und sprechenden Indi- viduen hierdurch auch andererseits...

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